Was genau ist ein Peer-to-Peer-Kredit?

Peer-to-Peer-Kredite sind Darlehen, die nicht zwischen einer Bank als Kreditgeberin einerseits und einem Kreditnehmer andererseits abgewickelt werden, sondern bei denen jeweils Privatpersonen als Kreditnehmer und Kreditgeber auftreten. In Deutschland ist aus rechtlichen Gründen zwar ein Geldhaus mit Vollbanklizenz in den Kreditvergabeprozess eingeschaltet und formal Vertragspartner. Tatsächlich findet das eigentliche Kreditgeschäft jedoch zwischen den beteiligten Privatpersonen statt.

Im Prinzip gab es Peer-to-Peer-Kredite schon immer – vor allem in Form eines privaten Darlehens zwischen Freunden oder Verwandten. Eine größere Bedeutung hat diese Form des Geldverleihs allerdings erst mit der Verbreitung des Internets erlangen können. Anbieter von Peer-to-Peer-Krediten betreiben online Marktplätze, auf denen sie private Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenbringen.

Kreditnehmer stellen auf diesen Marktplätzen für Peer-to-Peer-Kredite beispielsweise ihren Kreditwunsch vor oder beschreiben ein Kreditprojekt. Die persönliche Note, die ein solches Darlehen hat, wird deutlich, wenn man die Profile von Kreditnehmern und Kreditgebern auf den verschiedenen Plattformen betrachtet. Wer einen Kredit vergeben will, hat umfangreiche Möglichkeiten, seinen Kreditnehmer vorher kennenzulernen, Fragen zu stellen und natürlich Sicherheiten abzufordern.

kredit von privat ohne schufa

Das besondere an der Kreditvergabe ist, dass sich über den Online-Marktplatz auch viele verschiedene Personen zusammenfinden können, um gemeinsam ein Kreditprojekt zu finanzieren. Ein sinnvoller Nebeneffekt ist dabei, dass für die Kreditgeber, die auch als Investoren auftreten, das Risiko breiter gefächert wird, wenn sie ihr Portfolio aufteilen. Das Risiko von Verlusten lässt sich so sehr deutlich eingrenzen - Totalverluste sind also realtiv selten.

Alle Marktplätze für Peer-to-Peer-Kredite bieten verschiedene Möglichkeiten an, Sicherheiten für den gewünschten Kredit zu hinterlegen: von der Gehaltsabtretung über das Auto bis hin zu Referenzen der verschiedenen Auskunfteien.

Ein Peer-to-Peer-Kredit kann für beide Seiten lohnend sein. Gerade in Zeiten niedriger Zinse, die kaum für einen Inflationsausgleich gut sind, sind bei der privaten Kreditvergabe zwischen sechs und 14 Prozent Zinsen drin – je nach Bonität des Kreditnehmers und damit je nach Risiko, das vom Kreditgeber freilich getragen werden muss.

Kreditnehmer können auf den Marktplätzen hingegen von besseren Konditionen profitieren, als sie Hausbanken häufig einräumen. Darüber hinaus haben auch Personen die Möglichkeit, einen Kredit zu bekommen, die bei Hausbanken abblitzen – sofern keine harten Negativmerkmale wie eidesstattliche Versicherung oder Insolvenz in der Schufa eingetragen sind.

Obwohl Peer-to-Peer-Kredite ursprünglich vor allem für Privatpersonen gedacht waren, nutzen auch Unternehmen in letzter Zeit häufiger dieses Finanzierungsmodell, um Einzelinvestitionen oder ganze Geschäftsvorhaben zu finanzieren. Eine Sonderform sind dabei die Crowdfunding-Plattformen, bei denen vor allem von Privatpersonen Geld eingesammelt wird, um ein bestimmtes Projekt wie ein Buch oder einen Film zu finanzieren.

Anders als bei den klassischen Peer-to-Peer-Marktplätzen stehen hier Renditen für den Geldgeber nicht im Vordergrund. Der erhält für seinen Einsatz in der Regel statt eines Zinses eine kleinere Gegenleistung wie ein Exemplar des finanzierten Buches oder eine Einladung zur Premierenfeier des Filmes.

Die klassischen Peer-to-Peer-Kreditmarktplätze hingegen sind für alle Beteiligten eine ernst zu nehmende Alternative zur Bank - sei es mit Blick auf die zu erzielende Rendite oder mit Blick auf den günstigen Wunschkredit.