Annuitätendarlehen und Annuität einfach erklärt

Darlehen sind mittel- bis langfristige Formen der Kreditfinanzierung im Besonderen und der Fremdfinanzierung im Allgemeinen. In Abhängigkeit von den Rückzahlungsmodalitäten des Darlehens ist zwischen Annuitätendarlehen, Tilgungsdarlehen (Abzahlungsdarlehen) und endfälligem Darlehen (Zinsdarlehen) zu differenzieren. Unter Tilgung versteht man die Rückzahlung der Darlehenschuld, d.h. der ausbezahlten Darlehenssumme. Hierbei gibt es in der Regel einen transparenten Tilgungsplan.

Je nach Tilgungsart bezahlt der Darlehensnehmer die Darlehenssumme entweder in Form von Raten (Annuitätendarlehen und Tilgungsdarlehen) oder in Form eines einmaligen Betrages am Ende der Laufzeit (endfälliges Darlehen) zurück. Die ebenfalls zu leistenden Zinszahlungen fallen im Allgemeinen nicht unter den Begriff der Tilgung.

Berücksichtigung der Zinszahlungen beim Annuitätendarlehen


Beim Annuitätendarlehen werden die Zinszahlungen im Vergleich zu anderen Tilgungsarten insoferne berücksichtigt, als der Zinsanteil in einem mathematischen Verhältnis zum Tilgungsanteil steht. Die Berechnung der Annuitäten erfolgt über eine spezielle Formel. Im Internet können Kreditsuchende Annuitätenrechner nutzen, die genaue Hinweise geben können, wie hoch die Annuitäten unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren und Parameter (wie Zinssatz, Tilgung, Darlehenssumme,…) ausfallen.

Die Bedeutung der Bezeichnung Annuitätendarlehen ergibt sich aus dem Begriff der Annuität. Im ursprünglichen Wortsinn bedeutet Annuität in Anlehnung an den lateinischen Begriff „annus“ (= Jahr) jährliche Rate zur Rückzahlung und Verzinsung einer Schuld. Im engeren Sinn versteht man unter Annuität eine konstante Zahlung bzw. eine periodisch konstante Rate.

Annuitätentilgung beim Annuitätendarlehen


Das charakteristische Merkmal des Annuitätendarlehens ist die sogenannte Annuitätentilgung, welche eine Rückzahlung der Darlehenssumme in periodisch konstanten Raten (Pauschalraten, Annuitäten) vorsieht. Im Unterschied zu den Kapitalraten des Tilgungsdarlehens sind in diesen Annuitäten, wie oben schon beschrieben, die anfallenden Zinsen bereits berücksichtigt. Die Höhe der Annuität wird durch Multiplikation der Darlehenssumme mit dem sogenannten Annuitätenfaktor berechnet.

Raten, Tilgung und Zinsen beim Annuitätendarlehen


Beim Annuitätendarlehen bleiben die pro Periode zu leistenden Raten (Tilgung inklusive Zinsen) während der gesamten Laufzeit gleich hoch. Es ändert sich lediglich das anteilige Verhältnis zwischen Tilgungsanteil einerseits und Zinszahlungsanteil andererseits. Während der Tilgungsanteil mit zunehmender Laufzeit zunimmt, nimmt der Zinsanteil gleichermaßen ab. Der pro Periode sinkende Zinsbetrag resultiert daraus, dass sich die zu verzinsende Darlehenssumme (Restschuld) durch die periodische Tilgung kontinuierlich verringert. Die jährlichen Veränderungen des Tilgungs- und Zinszahlungsanteiles können in einem Tilgungsplan verfolgt werden.

Der Unterschied zum Tilgungsdarlehen besteht daher darin, dass beim Annuitätendarlehen die periodische Gesamtbelastung im Zeitverlauf unverändert bleibt. Beim Tilgungsdarlehen nimmt sie demgegenüber laufend ab. Für den Darlehensnehmer ergibt sich beim Annuitätendarlehen der Vorteil, dass seine Zahlungsverpflichtungen über den gesamten Rückzahlungszeitraum konstant bleiben. Er kann daher seine Liquiditätsbelastung pro Periode genau einkalkulieren.

Anwendungsbereiche des Annuitätendarlehens


Annuitätendarlehen gelten aufgrund der gleichmäßigen monatlichen Belastung als beliebteste Tilgungsform. In der Häufigkeit der Vergabe übertreffen sie die Tilgungsdarlehen. So sind sowohl Darlehen an private Darlehensnehmer als auch solche an Firmen meist als Annuitätendarlehen konzipiert. Da ein Hauptanwendungsbereich des Annuitätendarlehens in der Immobilien- und Baufinanzierung liegt, ist es auch unter der Bezeichnung Hypothekendarlehen bekannt. Vor allem bei selbst genutzten Immobilien erweist sich das Annuitätendarlehen als typische Tilgungsvariante, weil es dem Darlehensnehmer Planungssicherheit bietet.

Der Zinssatz wird in der Regel bei Abschluss des Darlehensvertrages für einen genau vereinbarten Zeitraum festgelegt. Diese Festschreibung kann sich auf die gesamte Laufzeit erstrecken. Meist werden jedoch Zinsbindungsfristen zwischen fünf bis fünfzehn Jahren vereinbart. Wenn der Darlehensnehmer die Darlehenssumme am Ende der Zinsbindungsfrist noch nicht vollständig zurückbezahlt hat, benötigt er eine Anschlussfinanzierung, um die Restschuld tilgen zu können. Neben dem Zinssatz wird für den Beginn der Laufzeit ein bestimmter Tilgungssatz fixiert.

Als anfänglichen Tilgungssatz verlangen Kreditinstitute üblicherweise eine Mindestrückzahlungsrate von 1% p.a oder 2% p.a. Es gilt zu bedenken, dass bei niedriger Tilgungsrate die Kreditlaufzeit sehr lang ist. Daher empfiehlt es sich, bei einem Annuitätendarlehen eine höhere Rückzahlungsrate zu vereinbaren, um die Immobilie schneller abbezahlen zu können.