Banken und Kredit: ist Vorsicht geboten?

Wie Verbraucherschützer beanstanden, ist die von manchen Banken an Verbraucher erteilte Kreditberatung als mangelhaft einzustufen. Problematisch sind insbesondere unzureichende Informationen und eine nicht erfolgte Aushändigung des Formulars „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“ im Zuge der Ausarbeitung eines Kreditangebotes.

Dieses Datenblatt muss Kreditinteressenten nach den Vorschriften des Verbraucherkreditrechtes bei Kreditofferten für Raten- und Rahmenkredite von Banken und Sparkassen verpflichtend ausgehändigt werden. Es dient dazu, kreditsuchenden Verbrauchern eine aussagekräftige Vergleichsunterlage zu bieten, mit welcher sie verschiedene Verbraucherkreditofferte hinsichtlich ihrer Kreditkosten und Kreditmodalitäten miteinander vergleichen können.

In diesem Zusammenhang fordern Verbraucherschützer dazu auf, eine umfassende Informationspflicht bei Bau- und Immobilienfinanzierungen einzuführen, welche Banken dazu verpflichtet, Verbraucher bereits vor Abschluss des Kreditvertrages mit allen wichtigen Kreditdaten auszustatten.

Fehlende Transparenz


Die Entscheidung über die Kreditvergabe selbst ist nicht immer nachvollziehbar und hinreichend begründet. Eine große Bedeutung räumen viele Banken den Auskünften der Schufa ein, welche jedoch nicht nur aktuelle und richtige Daten in ihrem Datenbestand hat. So kann sich auch der vom jeweiligen Kreditinstitut daraus ermittelte Score-Wert, welcher als wesentlicher Indikator für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit herangezogen wird, als fehlerhaft herausstellen und in ein Kreditangebot mit ungerechtfertigten Kreditkonditionen münden.

Als wenig transparent erweist sich in manchen Fällen die tatsächliche Höhe der Kreditkosten. Im gesetzlich vorgeschriebenen Effektivzinssatz werden oftmals zusätzliche Kostenfaktoren wie Bereitstellungszinsen oder eine abzuschließende Restschuldversicherung nicht berücksichtigt. So können sich die ausgewiesenen Kreditkosten für Verbraucher als irreführend darstellen und in einem Kredit enden, welcher teurer ausfällt, als anfangs angenommen wurde.

Teurer Dispokredit


Von Verbraucherschützern wird zudem kritisiert, dass einige Kreditinstitute ihre Kunden nicht über mögliche Alternativen zum vergleichsweise teuren Dispokredit aufklären. Den Kontoinhabern ist oftmals nicht bewusst, dass es kostengünstigere Optionen gibt, um kurz- bis mittelfristige Liquiditätsprobleme zu lösen. Da die Dispozinssätze auf der Homepage von Banken nicht zwingend angegeben werden müssen, fehlt den Kreditnehmern das Bewusstsein dafür, welch hohe Kosten mit dem Dispokredit verbunden sind.

Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung


Auf Kritik stößt auch die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung bei Bau- und Immobilienfinanzierungen, welche deutsche Kreditinstitute bei vorzeitiger Auflösung des Kreditvertrages und vorgezogener Kredittilgung durch den Kreditnehmer verrechnen dürfen. Nach Untersuchungen der Verbraucherzentralen fällt ein nicht unbeträchtlicher Anteil dieser für die entgangenen Zinszahlungen in Rechnung gestellten Ausgleichszahlungen unverhältnismäßig hoch aus.

Die alleinige Ursache für den hohen Anstieg der Vorfälligkeitsentschädigung in den letzten Jahren lässt sich nicht ausschließlich mit dem derzeit niedrigen Zinsniveau begründen. Vielmehr sind zudem die angestellten Berechnungen teilweise nicht nur intransparent und ungerechtfertigt, sondern liegen auch deutlich über jenen anderer europäischer Länder. Verbraucherschützer verlangen daher eine gesetzliche Regelung, welche die Vorfälligkeitsentschädigung bei Immobilienfinanzierungen auf fünf Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Kreditsumme begrenzt.

Teure Zusatzangebote


Bemängelt wird von Verbraucherschützern, dass einige Banken die Zusage für einen Ratenkredit selbst bei kleinen Kreditsummern vom Abschluss einer Restschuldversicherung (RSV) abhängig machen. Da eine Restschuldversicherung die Kreditfinanzierung erheblich verteuert, stehen die Kosten der RSV bei niedrigem Kreditvolumen in einem Missverhältnis zu ihrem potentiellen Nutzen. Negativ zu werten sind auch etwaige Versuche mancher Bankmitarbeiter, den Kreditinteressenten ergänzend zum Kreditangebot noch andere Bankprodukte wie Anlage- oder Sparangebote aufdrängen zu wollen.

Unrichtige Datenerfassung


Anlässlich der Erstellung eines Kreditangebotes holen Banken in der Regel eine Schufa-Auskunft ein, um die Kreditwürdigkeit des Kreditinteressenten zu beurteilen. Wenn der potentielle Kreditnehmer ausdrücklich nur ein Angebot einholen möchte, ohne sofort einen Kredit beantragen oder abschließen zu wollen, dürfte dieser Umstand bei der Anfrage an die Schufa lediglich als „Anfrage Kreditkonditionen“ erfasst werden.

Tatsächlich kommt es jedoch manchmal vor, dass das Einholen eines Kreditangebotes von Bankmitarbeitern falsch vermerkt wird und einen unrichtigen Eintrag bei der Wirtschaftsauskunftei nach sich zieht. In der Folge kann dieser Vermerk zu einer ungerechtfertigten Verschlechterung der Bonitätseinstufung des Bankkunden bei der Schufa führen, welche sich nachteilig auf geplante Kreditvorhaben oder andere Vertragsabschlüsse auswirken kann.