Eigenkapital, was bedeutet das?

Eigenkapital ist, vereinfacht gesagt, das Ergebnis von Vermögen minus Schulden – also das, was unter dem Strich verfügbar ist. Der Begriff des Eigenkapitals, auch Reinvermögen genannt, findet Anwendung auf Unternehmen oder andere juristische Personen, auf staatliche Einheiten wie Kommunen und Länder, und auch auf Privathaushalte.

Allerdings gibt es je nach Anwendungsbereich (Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft oder Privathaushalte) unterschiedliche Definitionen und vor allem Funktionen und Bedeutungen:

Unternehmen und Eigenkapital


Bei Unternehmen definiert Eigenkapital denjenigen Anteil des Kapitals, der den Eigentümern gehört. Dieser Kapitalanteil ist also nicht durch Kredite oder sonstige Mittel finanziert und wurde dem Unternehmen unbefristet von seinen Eigentümern zur Verfügung gestellt. Unterschiede ergeben sich durch die Gesellschaftsform.

Kapitalgesellschaften (dazu gehören in Deutschland die GmbH, die AG und die KGaA) haben eine nominell vorgegebene Eigenkapitalsumme (AG derzeit 50.000 Euro, GmbH 25.000 Euro), deren Einzahlung dem Handelsregister vor der Registrierung nachzuweisen ist.

Das Eigenkapital von Personengesellschaften ist hingegen sehr variabel; sowohl Gewinne als auch Verluste haben unmittelbare Auswirkung auf das Eigenkapital, das bei Gründung der Summe der Gesellschafter-Einlagen entspricht. Zum Eigenkapital zählen neben den Einlagen (bei der AG Grundkapital und bei der GmbH Stammkapital genannt) auch Rücklagen sowie Gewinnvorträge. Der Begriff des „effektiven Eigenkapitals“ umfasst zudem noch stille Reserven.

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Für das Unternehmen erfüllt das Eigenkapital mehrere rechtliche Funktionen:


  • Gründung: Erste Investitionen werden finanziert, und es kann Fremdkapital aufgenommen werden. Kapitalgesellschaften können erst nach Einzahlung des Grund- beziehungsweise Stammkapitals gegründet werden.
  • Haftung: Das Eigenkapital gewährt den Gläubigern Schutz, da diese im Falle einer Insolvenz Vorrang vor den Gesellschaftern haben.
  • Investitionen: Es ermöglicht zum einen die Anschaffung von Vermögenswerten und spielt zum anderen eine wichtige Rolle bei der Kreditaufnahme.
  • Absicherung von Verlusten: Je höher das Eigenkapital, desto besser kann das Unternehmen eintretende Verluste abfedern.
  • Kenngröße für die Gewinnausschüttung: Insbesondere bei Aktiengesellschaften wird das Eigenkapital als Richtgröße für die Bemessung der Dividende herangezogen.
  • Kontrolle: Der Anteil jedes einzelnen Gesellschafters am Eigenkapital bemisst dessen Einfluss, da an das Eigenkapital Stimmrechte geknüpft sind.

Erhöhen lässt sich das Eigenkapital entweder durch eine Aufstockung der Eigentümereinlagen oder Hinzuziehen neuer Gesellschafter, zum anderen durch einen „Innenfinanzierung“, indem erzielte Gewinne nicht ausgeschüttet, sondern als Gewinnrücklage beziehungsweise als stille Reserve verbucht werden.

Aktiengesellschaften sowie KGaA können durch Emission von Aktien ihr Eigenkapital erhöhen. Einbehaltene Gewinne wirken eigenkapitalerhöhend, durch Verluste kann sich prinzipiell auch ein negatives Eigenkapital ergeben. Dies hätte bei Kapitalgesellschaften die Insolvenz zur Folge, da diese in ihrer Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt sind und somit bei einem negativen Eigenkapital Überschuldung vorläge. Für Personenunternehmen, bei denen zumindest eine natürliche Person mit vollem Vermögen haftet, gilt dies nicht.

Unabhängig von der unternehmerischen Rechtsform gilt, dass sowohl bei Insolvenz als auch bei Liquidation des Unternehmens das Eigenkapital zunächst der Befriedigung der Gläubiger dient und erst danach die Eigentümer oder Gesellschafter ausbezahlt werden – oder auch leer ausgehen.

Bedeutung von Eigenkapital in der Volkswirtschaft


Volkswirtschaftlich bedeutend wurde der Begriff des Eigenkapitals in den letzten Jahren ganz besonders im Zuge der Bankenkrise, denn diese mussten riskante Kreditvergaben und Anlagen kaum mit Eigenkapital sichern. Als Folge dessen mussten die Staaten der Eurozone teils massive Sicherungszahlungen leisten, um die Banken nach dem Milliardenausfall an notleidenden Krediten oder auch riskanten Staatsanleihen (Beispiel Griechenland) vor der Insolvenz zu retten. Die Europäische Zentralbank EZB führte daraufhin Stresstests durch und überprüfte, ob und wie sehr die Eigenkapitalquote der Banken erhöht werden muss.

Die Eigenkapitalquote von Banken hat große Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft – zum einen indirekt darüber, dass mehr Eigenkapital zur Abfederung von Verlusten dient und so das allgemeine Vertrauen in das Finanzwesen gestärkt wird, was dazu führt, dass aus dem Gefühl der Sicherheit mehr Investitionen getätigt werden. Zum anderen können Kreditinstitute mit mehr Eigenkapital auch mehr Kredite vergeben, was ganz unmittelbar das Wirtschaftswachstum ankurbelt.

Eigenkapitalquote


Die Eigenkapitalquote ist eine bedeutende Bilanzkennzahl. Sie benennt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (also der Bilanzsumme). Diese Quote zeigt auf einen Blick die Kapitalstruktur des Unternehmens und dient nicht nur den Eigentümern als Basis für Finanzierungsentscheidungen, sondern spielt auch eine große Rolle bei der Bonitätsbeurteilung des Unternehmens und der Kreditgewährung sowie Zinsberechnung.

Zudem ist sie ein Anzeiger für die Ernsthaftigkeit der Eigentümer in Bezug auf ihr Unternehmen. Als Richtwert gilt eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 Prozent (Banken haben bislang eine Eigenkapitalquote von lediglich etwa zehn Prozent). Diese Kennzahl für die Kreditwürdigkeit ist von hohem Interesse für Gläubiger, Aktionäre, Banken, Rating-Agenturen und nicht zuletzt auch Wettbewerber.

Die Eigenkapitalquote ist in den letzten Jahren in Deutschland kontinuierlich angestiegen und liegt derzeit über alle Industriezweige und Branchen verteilt bei durchschnittlich 29 Prozent. Gerade kleine Unternehmen und Mittelständler haben ordentlich zugelegt – noch im Jahr 1997 lag deren Eigenkapitalquote bei gerade einmal sechs Prozent!

Dies ist nicht nur auf eine günstige wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen, sondern vor allem auch auf die neue Kreditvergabepraxis der Banken, die seit Basel II (vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht festgelegte Eigenkapitalvorschriften, die in den EU-Mitgliedsstaaten für alle Kreditinstitute gelten) verstärkt die Eigenkapitalquote zur Entscheidung über Kreditvergabe und Berechnung der Kreditzinsen hinzuziehen. Familienunternehmen haben traditionell eine höhere Eigenkapitalquote, die derzeit bei durchschnittlich etwa 38 Prozent liegt.

Eigenkapital und Privathaushalte


Privatpersonen kennen den Begriff des Eigenkapitals hauptsächlich im Zusammenhang mit der Immobilienfinanzierung, denn es ist eine wichtige Kenngröße für die Bank bei der Vergabe eines Kredites. Hier steht Eigenkapital für diejenigen Mittel, die Privathaushalten für den Immobilienkauf zur Verfügung stehen, also Geldvermögen, Grundbesitz, Wertpapierdepots, Bausparverträge und mehr.

Im weiteren Sinne können auch Dinge wie die zu erbringenden Eigenleistungen oder beispielsweise Arbeitgeberdarlehen hinzugezogen werden. Das Eigenkapital ist der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung, ob eine Immobilienfinanzierung gewährt wird und wie hoch die Zinsen ausfallen werden.