Finanzierung: was genau ist das?

Grundsätzlich bedeutet Finanzierung, auch Finanzökonomik genannt, die Ausstattung eines sogenannten Wirtschaftssubjekts mit dem Kapital, das es benötigt, um seine Ziele zu erreichen. Das klingt zunächst sperrig, meint aber nichts anderes als die Ausstattung mit benötigtem Geld oder anderen Finanzmitteln beispielsweise zur Gründung eines Unternehmens, zum Kauf eines Hauses oder auch – im volkswirtschaftlichen Rahmen – für das Wirtschaften von Staaten.

Wenn der Begriff des Wirtschaftssubjekts bezeichnet ganz allgemein wirtschaftlich Handelnde, seien es nun Privatpersonen, Unternehmen oder ganze Volkswirtschaften. Finanzierungen sind somit ein Schlüsselelement des Wirtschaftskreislaufs und von entscheidender Bedeutung für Unternehmen, Privathaushalte und Staaten, da sie ihnen Konsum und Investitionen ermöglichen. Unterschieden wird bei der Finanzierung, insbesondere im betriebswirtschaftlichen Kontext von Unternehmen, nach der Mittelherkunft (Innen- oder Außenfinanzierung) sowie der rechtlichen Stellung der Kapitalgeber (Eigen- oder Fremdfinanzierung)

Unternehmerische Finanzierung


finanzierungEbenso wie bei Staaten und Privathaushalten dient bei Unternehmen die Finanzierung dazu, den Kapitalbedarf zu decken, um bestimmte Ziele erfüllen zu können. Betriebswirtschaftlich wird unterschieden in die rein monetäre Finanzierung, die der Liquiditätssicherung dient, sowie die kapitalwirtschaftliche Finanzierung, mit der Unternehmen ihr Kapital bereitstellen.

Beide Finanzierungsformen schlagen sich auf der Passivseite der Bilanz nieder, während die mit ihnen erworbenen Mittel (Maschinen, Grundstücke oder ähnliches) auf der Aktivseite verzeichnet sind.

Sämtliche Prozesse, die der Bereitstellung von Mitteln für Investitionen oder den Produktionsablauf dienen, fallen unter den Begriff der Finanzierung, ebenso wie die damit verbundenen Rückzahlungen und im weiteren Sinne auch damit verbundene Folgen wie beispielsweise die Veränderung von Stimmrechten.

Die Begriffe Finanzierung und Investition gehen in der Betriebswirtschaft Hand in Hand, da die Mittel aus der Finanzierung benötigte Grundlage für zu tätigende Investitionen sind und umgekehrt geplante Investitionen zumeist der Anlass sind, eine Finanzierung anzustreben. Wenn anstelle von Geldmitteln Sachgüter wie Rechte oder Grundstücke unmittelbar dem Unternehmen zugeführt werden, fallen Finanzierung und Investition zusammen.

Man unterscheide die Außen- und Innenfinanzierung


Unterschieden wird zum einen nach der Art der Mittelherkunft (liegt eine Außen- oder eine Innenfinanzierung vor) und zum anderen nach den Kapitalarten (Eigenkapital oder Fremdkapital). Hinzu kommen weitere, für die Bilanzierung relevante Kriterien wie beispielsweise die Unterscheidung nach kurz-, mittel- und langfristiger Finanzierung. Insgesamt ergeben sich vier mögliche Kombinationen:

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Bei der Außenfinanzierung stammen die Mittel aus einer externen Quelle. Die beiden Hauptformen sind die Beteiligungsfinanzierung (Finanzierung von Eigenkapital mit den damit verbundenen Rechten und Pflichten) oder die Kreditfinanzierung über Kreditgeber. Die Finanzmittel können in Form von Geld, Wertpapieren oder auch Sachgütern einbezahlt werden. Bei der Außenfinanzierung über eine Beteiligungsfinanzierung handelt es sich um eine Eigenfinanzierung, da die Mittel zur Generierung/Erhöhung des Eigenkapitals genutzt werden. Außenfinanzierung über Kredite und Darlehen ist eine Fremdfinanzierung.

Im Gegensatz dazu steht die Innenfinanzierung, bei der Mittel aus dem Unternehmen selbst für Investitionen genutzt werden, also zum Beispiel aus dem Cash Flow, aus der Auflösung langfristiger Rückstellungen oder aus Abschreibungen. Auch eine Reduzierung der vorgehaltenen Liquiditätsreserve ist eine Form der Innenfinanzierung. Innenfinanzierung aus Vermögensumschichtungen wird zur Eigenfinanzierung gezählt, während die Innenfinanzierung aus der Auflösung von Rückstellungen der Fremdfinanzierung zuzurechnen ist.

Zusammenfassend gilt, dass bei der Eigenfinanzierung dem Unternehmen Kapital zugeführt wird und somit Beteiligungen entstehen. Der Kapitalgeber erwirbt Rechte, ist aber auch haftbar und im Insolvenzfall benachteiligt. Die Eigenfinanzierung kann aus externen Quellen erfolgen (Außenfinanzierung) oder mit unternehmenseigenen Mitteln geleistet werden (Innenfinanzierung aus Mitteln, die im Umsatzprozess des Unternehmens erwirtschaftet wurden).
Bei der Fremdfinanzierung wird kein Beteiligungs-, sondern ein Kreditverhältnis begründet. Der Kapitalgeber erwirbt keine Mitbestimmungs- oder Gewinnbeteiligungsrechte, ist aber im Insolvenzfall kein nachrangiger Gläubiger. Bei der Innenfinanzierung werden beispielsweise Finanzmittel aus Rückstellungen genutzt, bei der Außenfinanzierung handelt es sich um Kredit- und Darlehensgeber.

Ein weiteres Kriterium ist die Unterscheidung nach ordentlicher (oder auch laufender) Finanzierung sowie außerordentlicher Finanzierung. Letztere dient Sonderfällen wie beispielsweise der Gründungs- oder Sanierungsfinanzierung, während die ordentliche Finanzierung den laufenden Geschäftsbetrieb finanziert.

Darüber hinausgehend gibt es noch Sonderformen der Unternehmensfinanzierung. Hierzu zählen beispielsweise das Leasing, das Factoring (also der Verkauf des Forderungsbestandes eines Unternehmens an eine Factoring-Gesellschaft gegen sofortige Ausbezahlung des vereinbarten Kaufpreises) oder auch das Mezzanine-Kapital (eine Mischform, bei der Eigenkapital eingebracht wird, ohne dass damit die entsprechenden Stimm- und Gewinnrechte erworben werden).

Der Fianzierungsplan sollte tunlichst funktionieren


Eine falsche Finanzierungsplanung ist einer der häufigsten Insolvenzgründe (neben zu geringem Eigenkapital und unternehmerischem Misserfolg). Nicht umsonst legt daher die Unternehmensführung im Regelfalle Finanzierungsgrundsätze nieder, die die langfristige Beschaffung und Strukturierung des Unternehmenskapitals festlegen. Darunter fällt zum Beispiel die Goldene Bilanzregel, die besagt, dass Anlagevermögen durch Eigenkapital gedeckt sein soll, während für Umlaufvermögen auch Fremdkapital zur Deckung genutzt werden darf.

Die Goldene Finanzregel schreibt hingegen vor, dass sämtliches langfristig gebundenes Unternehmensvermögen (wie zum Beispiel Grundstücke) auch durch langfristige Kapitalmittel (Eigenkapital oder langfristige Darlehen) gesichert sein muss, damit keine Liquiditätsprobleme entstehen. Die Finanzplanung befasst sich detailliert mit der Sicherstellung der Liquidität des Unternehmens sowie mit der Ermittlung des künftigen Kapitalbedarfs für Investitionen oder ähnliches sowie mit der Ermittlung der dafür idealen Finanzierungsmethoden.

Es wird geplant, ob und wann Eigen- oder Fremdkapital benötigt werden, in welcher Weise das Eigenkapital erhöht wird, welche Laufzeiten das Fremdkapital idealerweise haben sollte und vieles mehr. Ziel ist nicht nur die Sicherung der Unternehmensliquidität, sondern gleichzeitig eine Minimierung der aufzuwendenden Kapitalkosten. Die langfristige Finanzplanung befasst sich mit dem Kapitalbedarf für mehrere Jahre, während die Liquiditätsplanung die Zahlungsströme auf Wochen- oder auf Monatsbasis bis zu einem Jahr voraus plant.

Finanzierung im volkswirtschaftlichen Sinne


Auch Staaten bedienen sich des Mittels der Finanzierung. Klassische Quellen sind hier Staatsanleihen oder auch Schuldverschreibungen. In der Finanzkrise wurden Risiken dieses Systems offenbar, da Kreditinstitute, die traditionell eine sehr geringe Eigenkapitalquote hatten, in riskante Staatsanleihen investiert hatten und dann nicht mehr in der Lage waren, die Ausfälle mit Eigenkapitalmitteln abzudecken.

Zur Sicherung der Geldstabilität ist es Notenbanken gemäß EU-Verträgen untersagt, zum Zwecke der Finanzierung der Staatshaushalte Geld zu drucken. Dies würde zu einer hohen Inflation führen und die Stabilität des Euro gefährden. Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) haben den Auftrag, dies zu kontrollieren und die Stabilität des Geldwertes abzusichern.

Es ist im Interesse von Volkswirtschaften, dass Wirtschaftssubjekte möglichst reibungslos mit benötigtem Kapital finanziert werden, da dies Nutzen für die Gesamtwirtschaft hat, sprich: Der Konsum und die Investitionen werden angekurbelt und die Gemeinschaft profitiert. Ein positives Finanzierungsklima mit günstigen Zinsen ist ebenfalls gut für die Gesamtwirtschaft, da Investitionsanreize gesetzt und Unternehmensgründungen erleichtert werden.

Privathaushalte und Finanzierung


Auch im privaten Bereich spielt die Finanzierung eine große Rolle, denn sie ermöglicht Privathaushalten die Anschaffung von Konsumgütern oder Vermögensgegenständen und kurbelt somit die Wirtschaft an. Auch für Privathaushalte gilt natürlich, dass die Finanzierung mit entsprechenden Sicherheiten gedeckt sein muss, ob nun kleinere Konsumentenkredite oder auch große Darlehen zur Anschaffung von Grundbesitz und Hausbau.

Begriffsherleitung


Das Wort Finanzierung ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen (von finantia für fällige Zahlung oder Beendigung). Damals stand der Begriff für die Beilegung eines Streitfalls durch Zahlung einer Geldbuße – die „Beendigung“ der Finanzierung durch Zurückzahlung ist also eine Bedeutung, die bis in unsere moderne Zeit erhalten geblieben ist. Im Mittelalter allerdings wurde das Wort „finantien“ negativ und gleichbedeutend mit Wucher benutzt. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte sich der heutige wertneutrale Gebrauch im Sinne von „öffentliche Gelder“ oder auch Staatsmittel durch.