Unterschiedliche Zinsen bei Kreditfinanzierungen

Die Lage auf dem Zinsmarkt zeigt sich gegenwärtig mit unterschiedlichen Tendenzen bei Kreditfinanzierungen. Während die Zinssätze für die Finanzierung von Immobilien und Bauvorhaben niedrig bleiben, sind bei den Ratenkrediten steigende Preise zu verbuchen.

Das gemeinsame Merkmal jeglicher Kreditfinanzierung besteht darin, dass der Kreditnehmer für die Geldleihe der kreditgebenden Bank Zinsen bezahlen muss. Die tatsächliche Höhe des Zinssatzes richtet sich vordergründig danach, wofür der Kreditnehmer die Kreditsumme benötigt. Zinsen für Ratenkredite zeigen gegenwärtig eine steigende Tendenz, während die Kosten für Hypothekendarlehen günstig bleiben. Der Dispokredit pendelt sich auf einem konstant hohen Zinsniveau ein.

Diese auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinende Entwicklung hat bei genauer Betrachtung nachvollziehbare Gründe. Sie sind darin zu finden, wie sich kreditgebende Banken die benötigten Kreditsummen beschaffen und welche Gewinnspannen sie mit der Gewährung von Krediten erzielen.

Billige Kredite für die Ankurbelung der Wirtschaft


Dem Kreditmarkt liegt ein Kreislauf zugrunde. Wenn Banken ihren Kunden Kredite gewähren, müssen sie diese Kreditbeträge aus den angelegten Geldern anderer Kunden beziehen oder durch Geldschöpfung gewinnen. Geschäftsbanken schöpfen Geld, indem sie sich selbst als Kreditnehmer bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Finanzmittel leihen, um sich refinanzieren zu können. Die EZB wiederum hält den Leitzinssatz von derzeit 0,00 Prozent seit geraumer Zeit bewusst auf einem sehr niedrigen Niveau, um die Vergabe von Verbraucherkrediten durch die Banken zu kostengünstigen Konditionen gewährleisten zu können.

Diese Niedrigzinspolitik zielt darauf ab, die Konsumenten verstärkt zur Aufnahme von Krediten zu veranlassen, um dadurch ihren Konsum zu erhöhen und die gesamte Wirtschaftsleistung zu steigern. In Zeiten eines steigenden Preisniveaus (hohe Inflationsrate) verfolgt die EZB die gegenteilige Politik, indem sie die Leitzinsen anhebt und dadurch die Kosten für die Geldleihe der Geschäftsbanken bei der EZB erhöht. Die vergleichsweise hohen Anlagezinsen gehen mit teuren Kreditzinsen einher, welche die Bankkunden dazu veranlassen, ihre Investitionen zurückzunehmen und stattdessen Geld anzusparen.

Preise und Gewinnspannen auf dem Kreditmarkt


Da momentan sowohl der Leitzinssatz der EZB als auch die Anlagenzinsen für Festgeld und Tagesgeld an der Null-Grenze liegen, sind Verbraucherkredite zu sehr niedrigen Kosten verfügbar. Die kreditgebenden Banken können geringe Kreditzinsen anbieten, weil ihre eigenen Refinanzierungskosten bei der EZB kaum ins Gewicht fallen. In Berechnung der Kreditzinsen beziehen sie ihr Ausfallrisiko, ihren Verwaltungsaufwand und ihre Gewinnspanne ein. Mit der Festsetzung dieser drei Kostenfaktoren haben es Banken in der Hand, die Höhe des Effektivzinssatzes individuell zu beeinflussen.

Die unverändert teuren Dispokredite resultieren hingegen vordergründig aus den hohen Gewinnspannen der Banken. Da die Höhe des Dispozinssatzes in vielen Fällen an die Entwicklung des derzeit konstanten Euribor gekoppelt ist, sehen die Kreditinstitute gegenwärtig keine Veranlassung, diesen Zinssatz zu senken.