Leitzinsen bei null – jetzt Kredit z. B. für Immobilien abschließen?

Die EZB unter der Leitung von Mario Draghi hat die Leitzinsen, zu denen sich Banken bei der EZB Geld leihen können, um dieses selbst zur Vergabe von Krediten an ihre Kunden zu nutzen, auf 0 % gesenkt. Das bedeutet, die Banken können Kredite ohne Zinskosten bei der jeweiligen Zentralbank erhalten.

Diese Entwicklung hat wiederum zur Folge, dass die Zinsen bei Bankkrediten weiter fallen werden. Einfacher ausgedrückt, wer einen Kredit benötigt, sollte ihn jetzt aufnehmen. Vor allem Personen, die sich eine größere Menge Geld leihen möchten, um z. B. die Anschaffung einer Immobilie zu tätigen oder anderweitig eine große Investition in den eigenen Betrieb tätigen möchten, sollten die aktuelle 0-%-Leitzinsphase nutzen.

Wer also einen Immobilienkauf per Immobilienfinanzierung tätigt, kann diesen Kredit, vorausgesetzt, die Laufzeit stimmt, auch zukünftig günstig tilgen, dank der aktuell niedrigen Zinsen, die im entsprechenden Kreditvertrag festgelegt werden. Vorausgesetzt, es kommt zu keiner Immobilienblase, wie sie einige Experten voraussehen.

Auf der anderen Seite bewirkt die Zinssenkung der EZB, dass Sparer bzw. Anleger kaum noch Geld mit klassischen Anlageformen verdienen können, da die Banken nicht mehr bereit sind, nennenswerte Zinsen auf angelegtes Kapital, z. B. in Form von Tages- oder Festgeld, zu bezahlen, da sie sich selbst Fremdkapital ohne Kosten verschaffen können.

Wenn die Menschen aber nicht mehr sparen, kaufen sie mehr, und das ist wiederum gut für die Wirtschaft. Wenn die Leute aber kaufen statt zu sparen, kann das zu einer Verarmung bestimmter Gesellschaftsgruppen führen. Hierzu gehören vor allem die Geringverdiener.

Einige Experten sind vom Handeln der EZB übrigens wenig begeistert. Sie sehen die Gefahr einer europäischen Immobilienblase, da immer mehr Menschen durch die aktuellen Tiefstzinsen Immobilieneigentum erwerben können. Das wiederum stärkt die Nachfrage auf dem sowieso schon käuferunfreundlichen Immobilienmarkt, und die Preise für Immobilien steigen noch weiter an. Das kann zur Folge haben, dass die Preise für Immobilien so teuer werden, dass immer weniger Personen, auch mit einem günstigen Kredit, diese bezahlen können.

Das wiederum hat zur Folge, dass die hohe Nachfrage anfängt zu sinken, neu gebaute Immobilien nicht mehr verkauft werden können und die Preise nach unten gehen. Dumm für alle, die noch vor der Blase teuer gekauft haben, denn sie vernichten ihr eigenes Kapital. Der aktuelle Wert der Immobilie sinkt, aber der ursprünglich hohe Kaufpreis muss noch bezahlt werden, wenn die Finanzierung per Kredit erfolgt ist. Und diese Folgen können sehr übel werden. Was „Super Mario“ und die Herren von der EZB dann machen, steht in den Sternen.

Aber falls in diesem Fall der italienische Professor für Betriebswirtschaft seine Stellung bei der Europäischen Zentralbank räumen muss, kann er ja wieder als Investmentbanker in den USA arbeiten – gut für ihn. Dort soll es ja auch Personen geben, denen ein wirtschaftlich schwaches Europa lieber wäre als ein starkes.