Risikokapital: mehr Risko, mehr Gewinn?

Bei Risikokapital, oft auch als Wagniskapital oder Venture-Capital (vom englischen „venture“ für Wagnis) bezeichnet, handelt es sich um Kapital, das außerhalb der Börse als Beteiligungskapital (in Form von Eigenkapital mit voller Haftung oder auch in anderen Formen wie einer Mezzanine-Finanzierung) in Unternehmen eingebracht wird.

Diese Investition ist deshalb riskant, weil sie zumeist in junge und wenig stabile Unternehmen mit ungewissen Zukunftsaussichten eingezahlt wird. Kapitalgeber können private Investoren sein oder auch auf diesen Geschäftszweig spezialisierte Venture-Capital-Gesellschaften oder auch Wagnisfinanzierungsgesellschaften.

Wer braucht Risikokapital?


Nutznießer einer solchen Risikokapitalfinanzierung sind größtenteils noch junge und nicht börsennotierte Unternehmen, die vorzugsweise im Technologie- und Internetsektor tätig sind. Diese innovativen „Start-Ups“ erhalten zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit meist keine Finanzierung über die üblichen Kredite, da sie den Banken nicht im benötigten Umfang mit Sicherheiten dienen können.

Die vorhandene Eigenkapitaldecke reicht ebenfalls noch nicht für Investitionen. Hier springen Risikokapitalgeber ein, die entweder Eigenkapital (mit der damit verbundenen vollen Haftung) oder Mischformen wie Mezzanine-Kapital (eine Form der Eigenkapital-Einzahlung ohne die damit verbundenen Stimmrechte etc.) einbringen.

Durchschnittlich liegt die Beteiligungsquote des Wagniskapitals an den Start-Ups im Bereich der Minderheitsbeteiligung und im Schnitt bei 20 bis 35 Prozent. Die Investition ist sehr riskant und kann bis hin zum Verlust des gesamten investierten Kapitals führen. Im Erfolgsfalle wirft Wagniskapital allerdings auch überdurchschnittlich hohe Renditen ab.

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Wer sind die Kapitalgeber?


Kapitalgeber können private Investoren sein, die sich auf Investitionen im Bereich von Start-Ups spezialisiert haben. Mehrheitlich allerdings werden Wagnisfinanzierungen von Venture-Capital-Gesellschaften (privat oder öffentlich über Förderinstitute) vorgenommen, deren Geschäftszweck es ist, mittels riskanter Beteiligung an aufstrebenden Unternehmen eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Da diese Gesellschaften aufgrund ihres Geschäftsmodells in viele verschiedene Risiko-Unternehmen investieren, lässt sich der teilweise oder komplette Ausfall einzelner Finanzierungen leichter tragen.

Bestes Beispiel für das hohe Risiko dieser Wagniskapitalgeber ist die „Dotcom-Blase“, im Jahr 2000, als die völlig überbewerteten Technologieunternehmen der „new economy“ einbrachen. Das Platzen dieser Spekulationsblase führte zum Totalverlust zahlloser Kleinanleger. Auch Kreditinstitute sind – über Tochtergesellschaften – im Risikokapitalmarkt tätig.

Die verschiedenen Phasen


RisikokapitalAnders als normale Bankkredite werden Risikokapitalmittel zeitlich prinzipiell unbegrenzt zur Verfügung gestellt. Ziel der Finanzierung ist ohnehin nicht die Rückzahlung des Kapitals mit Zinsen, sondern ein möglichst hoher Gewinn aus dem Beteiligungsverkauf, dem sogenannten „Exit“.

Noch bevor die ersten Risikokapitalzahlungen fließen, werden Start-Ups häufig zunächst mit Mitteln aus dem Freundes- und Familienkreis und aus staatlicher Förderung vorfinanziert. Die eigentliche Wagniskapitalbeteiligung wird in folgende Phasen unterteilt:

Seed Stage


Hierbei handelt es sich um die frühe Phase der Unternehmensgründung. Es liegt noch kein marktreifes Produkt vor; das Wagniskapital wird für die Entwicklung eines solchen benötigt.

Das Risiko ist in dieser Phase am höchsten, da eine Beurteilung des Erfolgspotenzials schwer möglich ist. Entsprechend erhält der Kapitalgeber eine sehr hohe Beteiligungsquote für seine Finanzierung.

Early Stage


Das unternehmerische Produkt ist entwickelt, das Kapital wird nun für Marketing oder Produktion benötigt. Das Risiko sinkt etwas gegenüber der Seed Stage.

Later Stage


Das Unternehmen hat ein marktreifes Produkt. Die Markteinführung hat stattgefunden, es werden Umsätze aus dem Verkauf erzielt. Kapital wird jetzt benötigt für den Ausbau von Kapazitäten und die Expansion. Da das Risiko für den Kapitalgeber jetzt deutlich geringer ist aufgrund des prüfbaren kommerziellen Erfolges, erhält er weitaus geringere Beteiligungsquoten für sein Kapital.

Exit


Der Kapitalgeber zieht sich zurück und „desinvestiert“. Der Exit findet in der Regel nach zwei bis sieben Jahren statt, es sind aber auch längere Laufzeiten möglich. Je nach Erfolg des Unternehmens und Investitionsstrategie des Kapitalgebers gibt es mehrere Exit-Modelle:

  • Die Anteile werden an der Börse verkauft, das sogenannte „Initial Public Offering“ IPO.
  • Der Kapitalnehmer kauft die Unternehmensanteile vom Kapitalgeber zurück (Company Buy Back).
  • Der Kapitalgeber verkauft seine Unternehmensanteile an einen Dritten seiner Wahl (Secondary Sale).
  • Der Kapitalnehmer wird übernommen von einem anderen Unternehmen, üblicherweise aus der gleichen Branche (Trade Sale).
  • Das Unternehmen ist wirtschaftlich gescheitert und muss liquidiert werden – es kommt zum Verlust des Risikokapitals. Risikokapitalgeber sind nachrangige Gläubiger, sodass im Falle von Liquidation oder Insolvenz meist ein Totalverlust erfolgt.

Vor- und Nachteile von Risikokapital


Sowohl Vor- als auch Nachteile für den Geber des Risikokapitals liegen auf der Hand. Mit der Investition ist ein überdurchschnittlich hohes Risiko des Teil- oder Komplettverlusts des eingebrachten Kapitals verbunden, da in junge und aufstrebende Unternehmen investiert wird, deren wirtschaftliche Zukunft noch gänzlich ungesichert ist. Aus diesem Risiko erwächst aber gleichzeitig der große Vorteil, nämlich eine ebenso überdurchschnittlich hohe Rendite bei Unternehmenserfolg und lukrativem Exit.

Der Kapitalnehmer, also das Start-Up, hat zum einen den Vorteil, auch ohne ausreichende Sicherheiten den Kapitalbedarf des Unternehmens decken zu können. Zum anderen wird der Kapitalgeber auch ein Interesse am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens haben, um seine Rendite zu erhöhen. Oftmals kommt es daher auch zur Investition von „smart capital“ – der Risikokapitalgeber steht auch mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt mit Erfahrung, bestehenden Geschäftsbeziehungen oder anderer Mitwirkung. Dies ist besonders bei privaten Investoren, den „business angels“, der Fall.

Allerdings liegt hierin auch einer der Nachteile für das Unternehmen, denn Risikokapital bedeutet immer auch Verzicht auf Kontrolle und Mitspracherechte. Venture-Capital-Gesellschaften und auch private Investoren bedingen sich eine gewisse Unternehmenskontrolle aus, die über den Rahmen einer normalen Beteiligung, geschweige denn eines normalen Bankkredits, hinausgeht. Zur Absicherung der Finanzierung setzen Kapitalgeber oft das Werkzeug des sogenannten „staging“ ein – erst wenn vorab definierte Unternehmensziele erreicht wurden, werden weitere Tranchen des Kapitals ausbezahlt. Die Kontrollrechte gehen meist so weit, dass der Kapitalgeber den Unternehmer selbst entlassen kann.

Beim Exit hat der Kapitalnehmer den Nachteil, der Entscheidung des Gebers ausgeliefert zu sein – dieser wird seine Anteile für ihn möglichst gewinnbringend abstoßen und keine Rücksicht auf die Wünsche des Unternehmens hinsichtlich der Nachfolge nehmen.

Venture-Capital-Gesellschaften


Schon im Jahr 1975 gab es die erste Venture-Capital-Gesellschaft in Deutschland. Im Jahr 1988 war die Zahl auf vierzig angewachsen. Investiert wurde vorrangig in den Bereichen Hightech und Elektronik. 1987 wurde der Deutsche Venture Capital Verband gegründet. Im Jahr 1988 fusionierte dieser mit dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Zweck dieses Dachverbandes ist es, die gesellschaftsrechtlichen und steuerlichen Bedingungen für Wagniskapital in Deutschland zu verbessern, den Zugang zu Kapitalnehmern zu ermöglichen, den Markt zu analysieren und den Mitgliederaustausch zu fördern.

Vermittlungsstellen


Gründungsberater unterstützen innovative Unternehmen dabei, mittels Wettbewerberanalyse und Businessplan ihre Erfolgsaussichten auszuloten, die Geschäftsidee und deren Wachstumsperspektiven zu prüfen und über ihr Netzwerk die passende Risikofinanzierung zu finden.

Anlaufstellen bei der Suche nach Venture-Kapital-Gebern sind beispielsweise die KfW-Bank, Plattformen für Crowdfunding oder auch die von einzelnen Bundesländern angebotenen Beteiligungsgesellschaften. Staatlich subventionierte Gründungsberater vermitteln Förderprogramme, die mit EU-Mitteln finanziert werden, der „EU-Förderung für Existenzgründer“.

Zur Förderung des Gründungsklimas hat die Bundesregierung ein Wagniskapital-Eckpunktepapier verabschiedet, um indirekt (über erleichterte Bedingungen für Business Angels) vermehrte Investitionen in Start-Ups zu generieren.