Überschuldung – so entgehen Sie einer Schuldenfalle und nutzen Ihr Einkommen sinnvoll

Die Überschuldung ist in Deutschland noch immer ein wichtiges Thema und immer wieder gegenwärtig. Denn leider steigt die Privatverschuldung Deutschlands von Jahr zu Jahr. 2017 waren es wieder über ein Zehntel der Deutschen, die zahlungsunfähig wurden. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen das Thema „Überschuldung“ näherbringen, damit Sie nicht in den finanziellen Ruin abrutschen. Selbstverständlich zeigen wir Ihnen auch Möglichkeiten auf, wie Sie nach einer Überschuldung wieder festen Fuß fassen können. Generell kann der Begriff „Überschuldung“ mit der „langfristigen Zahlungsunfähigkeit“ gleichgesetzt werden.

Was ist Überschuldung und ab wann ist man überschuldet?


ueberschuldungNicht jede Person, die einmal ihr Konto überzieht, ist gleich überschuldet. Erst, wenn das Einkommen über eine längere Zeit hinweg nicht mehr dazu ausreicht, vorhandene Schulden zu tilgen, obwohl der Lebensstandard reduziert wurde, spricht man von einer Überschuldung. Eine kurzfristige Zahlungsunfähigkeit, zum Beispiel bei einer höheren Investition am Monatssende, muss man sich nicht weiter sorgen, wenn der Betrag innerhalb der nächsten Tage oder Wochen bezahlt werden kann.

Doch ab wann ist man überschuldet? Die Alarmglocken sollten bei einer langfristigen Schuldenbelastung von zehn bis zwanzig Prozent des Bruttoeinkommens zu schrillen beginnen. Denn dann spricht man offiziell von einer Überschuldung. Die Verbindlichkeiten können nicht mehr durch das eigene Vermögen gedeckt werden.

Wer kann sich überschulden?


Oft werden im Zusammenhang mit dem Thema Überschuldung klassische Vorurteile bedient, dass Personen, die wenig oder gar kein Geld verdienen, mehr ausgeben als sie eigentlich haben. Doch laut offiziellen Zahlen stammen die meisten Personen, die Probleme mit einer Privatverschuldung in Deutschland haben, aus dem Mittelstand. Aber vor allem auch ältere Menschen sind von der Überschuldung betroffen.

Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen beziehungsweise juristische Personen, können sich überschulden. Gründe dafür können beispielsweise eine schlechte Auftragslage, Schwierigkeiten in der Produktion, Ineffizienz oder auch gestiegene Produktionskosten sein.

Unternehmen – in diesem Fall Kapitalgesellschaften, wie AGs, GmbHs und UGs, ohne persönlich haftbaren Gesellschafter – geraten dann in eine Überschuldung, wenn die Eigenkapitalgeber ihre Kapitaleinlagen verloren haben. Dennoch ist der genaue Zeitpunkt einer Überschuldung und der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens deutlich komplexer als die Feststellung bei einer Privatperson. Denn eine positive Fortbestehungsprognose kann beispielsweise vor der Insolvenz schützen. Generell wird die Überschuldung eines Unternehmens über die Überschuldungsbilanz festgestellt.

Was tun bei Überschuldung?


Im ersten Schritt sollte eine Privatperson in der Überschuldung Hilfe zur Selbsthilfe nutzen, denn eine Überschuldung kann umgangen werden. Um gar nicht erst in die Schuldenfalle zu tappen, ist es empfehlenswert, dass Sie...

  •     … das Kleingedruckte vor Vertragsabschluss liest.
  •     … jeden Monat ihre Einnahmen und Ausgaben überprüft, vergleicht und Reserven anlegt.
  •     … zu Zeiten höherer Investitionen oder geringerer Einnahmen Ihr Konsumverhalten anpassen.
  •     … keine teuren Gegenstände über Ratenzahlungen kauft, die sie sich eigentlich nicht leisten kann.
  •     … frühzeitig einen Schuldenberater aufsucht, bevor sie zu tief in der Patsche sitzt. Dieser bietet Hilfe bei Überschuldung.

Vor allem Unternehmen, die in die Überschuldung geraten, müssen aufpassen und schnellstmöglich ihren Kurs ändern. Denn ein Insolvenzverfahren, das Schulden geregelt abwickeln wird, ist wohl das schlimmste Szenario, das einem Unternehmen bevorstehen kann. Sollte die Firma also merken, dass die Schulden immer höher und die Einnahmen immer geringer werden, so sollte sie neue Vertriebskonzepte entwickeln, Produkte verbessern und Ausgaben verringern, damit die Effizienz gesteigert werden kann. Manchmal müssen laufende Kosten auch durch die Entlassung von Personal reduziert werden.

Kredite trotz Überschuldung und weitere Wege aus der Überschuldung


Generell ist es nicht empfehlenswert einen Kredit aufzunehmen, wenn Sie bereits mehr Verbindlichkeiten als Einnahmen haben, da Sie damit immer weiter in die Schuldenfalle rutschen können und Probleme bekommen werden, Ihre Schulden zurückzuzahlen. Es ist aber nicht verboten im Falle einer Überschuldung einen Kredit aufzunehmen und kann in bestimmten Situationen auch gezielt aus der Klemme helfen. Beispielsweise ist ein Umschuldungskredit in einigen Fällen sinnvoll. Nämlich dann, wenn Sie Kredite mit hohen Zinsen abbezahlen müssen und bessere Angebote finden können.

Auch Unternehmen benötigen manchmal vor der Insolvenz einen Kredit, um aus ihrer Überschuldung wieder herauszukommen und neue Projekte starten zu können. Hierfür gibt es den speziellen Kredit trotz Insolvenz. Diese stammen meist von Privatpersonen.

Doch Kredite sind nicht der einzige Weg aus der Verschuldung. Haben Sie sich zu hoch verschuldet, muss eine Notbremse gezogen werden. Der Konsum und dadurch auch meist der Lebensstandard müssen reduziert werden, aber auch die laufenden Kosten, wie Energiekosten, teure Handyverträge oder Abos, sollten reduziert und durch die dadurch leicht steigende Liquidität dringende Schulden beglichen werden. Mit einem Nebenjob können Sie auch die Einnahmen wieder erhöhen. Wir empfehlen dennoch dringend eine professionelle Unterstützung, um die Privatschulden wieder zu reduzieren.

Zahlen der Überschuldungen in Deutschland zum Jahreswechsel 2017/18


Noch immer liegt die Überschuldungsquote in Deutschland beachtlich über zehn Prozent. Vor allem junge Menschen schaffen es, recht solide mit ihrem Einkommen zu haushalten, wohingegen die Überschuldung bei älteren Personen vergleichsweise hoch ist. In den meisten Fällen einer neuen Überschuldung sind Männer aus dem Mittelstands-Milieu betroffen. Doch die Überschuldung schwankt nicht nur innerhalb der Altersgruppen oder Milieus, sondern auch zwischen West- und Ostdeutschland, sowie zwischen Städten.

Dementsprechend weisen momentan die Städte Bremerhaven und Wuppertal die höchsten Überschuldungsquoten auf, wohingegen die Bewohner der Kreise Eichstätt und Erlangen-Höchstadt von einer bemerkenswert niedrigen Überschuldungsquote profitieren. Duisburg und Dortmund sind die Großstädte mit prozentual gesehen den meisten überschuldeten Bewohnern. Generell kann man hier auch eine Brücke zur Arbeitslosigkeit schlagen, denn die Überschuldung wird zumeist von Arbeitslosigkeit oder unwirtschaftlicher Haushaltsführung ausgelöst. Da Duisburg eine vergleichsweise hohe und Eichstätt eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten hat, ist die Überschuldungsquote keine Überraschung mehr.

Ein Fazit zum Schluss der Überschuldung


Doch lassen Sie sich auch trotz einer möglichen und plötzlich auftretenden Arbeitslosigkeit, Krankheit oder anderen widrigen Situation nicht in den Strudel der Überschuldung ziehen. Denken Sie bei Käufen und Investitionen stets vorab darüber nach, ob Sie momentan die entsprechenden liquiden Mittel besitzen, planen Sie nicht mit Ratenzahlungen zu lang in die Zukunft und verwenden Sie Ihr Einkommen stets zuerst für wichtige Zahlungen.

Achten Sie auch darauf, dass Sie zu Zeiten finanzieller Engpässe auch weiterhin Ihre laufenden Kreditraten, beispielsweise die Zahlungen einer Hausfinanzierung, stemmen können. Generell wird Sie eine gute finanzielle Allgemeinbildung vor einer schnellen Überschuldung bewahren. Falls Sie doch in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollten, scheuen Sie sich nicht davor eine professionelle Schuldenberatung aufzusuchen und mit dieser diszipliniert und effizient wieder einen Weg aus der Überschuldung zu beschreiten.