Über die Weltbank-Gruppe

Die Begriffe Weltbankgruppe und Weltbank werden häufig als Synonym verwendet. Genau genommen ist die Weltbank aber eine Unterorganisation der Weltbankgruppe. Weltbank ist die allgemeine Bezeichnung für die „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ (International Bank for Reconstruction and Development, IBRD). Ihr gehören 187 Mitgliedstaaten an. Zur Weltbank-Gruppe gehört gleichfalls die „Internationale Entwicklungsorganisation“ (IDA, 170 Mitgliedstaaten).

Zusammen mit der „Internationale Finanz-Corporation“ (IFC, 182 Mitgliedstaaten), der „Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur“ (MIGA, 175 Mitgliedstaaten) und „Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten“ (ICSID, 147 Mitgliedstaaten), bildet diese Gruppe der zuvor genannten fünf Organisationen die Weltbankgruppe.

Die Weltbank ist eine rechtlich selbständige Organisation, deren Gründung 1944 auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) beschlossen wurde. Parallel zur Gründung der Weltbank wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) ins Leben gerufen.

Die Satzung der Weltbank trat am 27.12.1945 in Kraft. Mit der Unterzeichnung durch 28 Staaten konnte sie 1946 ihre Tätigkeit in Washington D.C. aufnehmen, wo sich noch heute ihr Hauptsitz befindet. Bereits ein Jahr später wurde ihr der Status einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN) verliehen. Die ursprüngliche Zielausrichtung der Organisation war der Wiederaufbau des durch den II. Weltkrieg zerstörten Europas. Seit dem sind die Aufgabengebiete der Weltbank stetig gewachsen und wesentlich komplexer geworden.

Die offiziellen Ziele der Weltbank


Das offizielle Ziel der Organisation ist die Bekämpfung der weltweiten Armut. Um dieses Ziel zu erreichen, werden viele Projekte mittlerweile nicht mehr von der Zentrale in Washington D.C. aus geleitet, sondern durch ungefähr 10.000 international erfahrene Entwicklungsfachleute in 109 verschiedenen Ländern betreut.

Seit 1948 liegt ein Schwerpunkt der Weltbank in der wirtschaftlichen Förderung von Entwicklungsländern. Die finanziellen Mittel, die die Weltbank in Form von Krediten und Darlehen vergibt, sind für die Entwicklungsländer bestimmt, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium des sozialen und wirtschaftlichen Aufbaus befinden.

Die zur Verfügung gestellten Finanzmittel werden für zuvor exakt bezeichnete, international ausgeschriebene Entwicklungsprojekte vergeben. Diese Gelder werden nur dann bewilligt, wenn zuvor anderweitig keine Kapitalaufbringung möglich war. Nur wenn die Projekte unmittelbar der breiten Masse der armen Bevölkerung zugutekommen, können sie sich für die Finanzhilfen der Weltbank qualifizieren. Dabei müssen sie die Produktivität der Bevölkerung steigern und sie aktiv am Entwicklungsprozess teilhaben lassen.

Ferner engagiert sich die Weltbank in Krisen- und Kriegsgebieten und fördert dort nachhaltig den Aufbau der Infrastruktur und des Gesundheitswesens sowie Umweltschutzprojekte. Die Weltbank finanziert jedoch nicht alle ihre Projekte alleine. Sie ist bemüht, den Entwicklungsländern stets Perspektiven auf dem Finanzmarkt zu geben, indem sie einen großen Teil ihrer Projekte über weitere Kreditgeber realisiert. Um Korruption und Missbrauch zu verhindern, werden die finanziellen Mittel nur an die jeweiligen Regierungen vergeben beziehungsweise sind durch diese zu garantieren.

Seit 1982 werden die Darlehen variabel mit einem Zinssatz ohne Rücksicht auf die Währung, die Art des Projekts, die Bonität des Schuldners und die Laufzeit verzinst. In der Regel laufen diese Darlehen über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren, wovon fünf Jahre tilgungsfrei sind. Die Grundlage zur Berechnung der Darlehenszinsen bilden die Refinanzierungskosten der Bank zu marktnahen Konditionen. Der Zinssatz wird zu Jahresbeginn und zur Jahresmitte hin für eine Zeit von sechs Monaten festgesetzt.

Die Weltbank finanziert die von ihr vergebenen Darlehen aus den einzahlten Beträgen der Mitgliedsländer auf ihr gezeichnetes Grundkapital, aus den Darlehensrückzahlungen der Kreditnehmer, den realisierten Reingewinnen und der Kreditaufnahme bei Zentralbanken, Regierungen und internationalen Kapitalmärkten durch die Begebung von festverzinslichen Schuldscheinen und Anleihen.

Seit 1982 führt die Weltbank in diesem Zusammenhang auch größere Währungsswaps durch. Ihren jährlichen Weltentwicklungsbericht widmet die Weltbank jeweils einem für die aktuelle Entwicklungsdiskussion übergreifenden Thema.

Die Direktion der Weltbank


Oberstes Vertretungsorgan der Weltbank ist der einmal im Jahr tagende Gouverneursrat. In ihm sind jeweils ein Gouverneur und ein Stellvertreter der Mitgliedsländer mit einer Stimmberechtigung nach Kapitalanteilen vertreten. Das Exekutivdirektorium besteht aus 22 Direktoren. Fünf der Direktoren werden von den Mitgliedsländern mit den höchsten Kapitalanteilen ernannt. Die übrigen 17 Direktoren werden von den Gouverneuren der übrigen Mitgliedsländer für zwei Jahre gewählt.

Das Direktorium tagt mindestens einmal im Monat und vereint die vom Gouverneursrat übertragenden Stimmbefugnisse. Ihm obliegt die allgemeine Geschäftsführung, die Entscheidung über die Vergabe von Darlehen sowie die Festsetzung der Bankpolitik. Der Präsident wird vom Exekutivdirektorium gewählt und bleibt für fünf Jahre im Amt. Ihm obliegt die Verwaltung der Weltbank, ferner sitzt er ohne Stimmrecht dem Exekutivdirektorium vor. Die fünf größten Anteilseigner der Weltbank sind die USA, Japan, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Großbritannien.