Die führenden Wirtschaftsauskunfteien im Überblick

Wirtschaftsauskunfteien sammeln Daten über Unternehmen und Privatpersonen und stellen diese ihren Kunden zur Verfügung, die sie meist für Zwecke der Bonitätsprüfung nutzen. Fast jeder brauchte schon einmal eine Schufa-Auskunft oder weiß zumindest, was das ist. Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung ist die mit großem Abstand bekannteste Auskunftei. Umfragen zufolge kennen 95% der Deutschen sie.

Für viele ist die Schufa sogar die einzige namentlich bekannte Auskunftei. Dabei gibt es noch zahlreiche andere Agenturen, die ihre Kunden bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihrer Geschäftspartner unterstützen oder ihnen andere relevante Wirtschaftsauskünfte zur Verfügung stellen. Die Branchenführer haben sich sogar zu einem Verein "Die Wirtschaftsauskunfteien e.V." mit Sitz in Neuss zusammengeschlossen.

Schufa: die bekannteste Wirtschaftsauskunftei in Deutschland

Die Schufa Holding AG aus Wiesbaden ist die bekannteste Wirtschaftsauskunftei in Deutschland. Obwohl es sich hierbei um ein Unternehmen und nicht um eine Bundesbehörde oder öffentliche Institution handelt, besitzt diese Finanzauskunft großen Einfluss, teilweise zum Nachteil der Verbraucher.

Erst kürzlich wurde sogar höchstrichterlich festgestellt, dass es rechtens ist, wenn die Schufa bestimmte Dateninhalte über eine Person, dieser nicht mitteilt, aber trotzdem den entsprechenden Datenbestand an ihre Geschäftspartner weiterleitet. Kurzum: wer negative Eintragungen oder einen schlechten Score-Wert besitzt, wird hierdurch mit massiven Problemen konfrontiert. Sogar die Eröffnung eines Girokontos kann durch negative Schufa-Daten unmöglich werden.

Was diese Tatsache für verheerende Folgen für die Betroffenen hat, bleibt hierbei vonseiten der Politik offensichtlich unberücksichtigt. Darum stehen Auskunfteien und hier insbesondere die Schufa in Kritik. Wer Probleme mit der Schufa-Auskunft hat, sollte sich deshalb an die jeweils zuständige Verbraucherzentrale wenden. Die dortigen Mitarbeiter können z. B. Betroffene darüber informieren, welche Optionen bestehen, trotz Schufa-Eintrages ein Girokonto zu eröffnen, um wenigstens am normalen Zahlungsverkehr teilzunehmen zu können.

Allerdings bietet die Schufa Bürgern die Möglichkeit an, eine Selbstauskunft anzufordern, zum Beispiel hier https://www.meineschufa.de/index.php?site=11_3_1. Zudem haben wir Ihnen eine Anleitung zusammengestellt, wie Sie eine Schufa Selbstauskunft kostenlos erhalten. Der Umfang dieser Daten weicht aber relevant von den Daten ab, die die Schufa-Partner (z. B. Banken) zur Verfügung gestellt bekommen.

Um selbst keinen negativen Eintrag zu erhalten, ist es übrigens wichtig, nicht nur Verbindlichkeiten bei den Banken (z. B. Kreditrate, Dispo) pünktlich zu tilgen, sondern auch dritten gegenüber.

Denn was die wenigsten Verbraucher wissen, auch Handelsunternehmen, Dienstleister, Leasingfirmen und Telekommunikationsfirmen können Daten über ihre Kunden an die Schufa übermitteln, und umgekehrt die dort gespeicherten Daten einsehen.

Es gibt jährlich zigtausende Fälle, in denen Verbraucher nur deshalb einen negativen Schufa-Eintrag erhalten haben, weil sie z. B. Rechnungen von Mobilfunkanbietern nicht rechtzeitig bezahlt haben.

Lesen Sie außerdem, wie Sie Ihren Schufa-Eintrag löschen oder aber Ihren Schufa-Score verbessen können.

Die Kreditauskünfte Creditreform, infoscore und IHD

Zu den Mitgliedern gehört auch Creditreform, mit ca. 4.000 Beschäftigten in Deutschland und rund 540 Millionen Euro Umsatz in Europa einer der Branchenführer. Die Wurzeln des Unternehmens, das heute seinen Sitz ebenfalls in Neuss hat, reichen bis ins Jahr 1879 zurück. Damals schlossen sich in Mainz Kleingewerbetreibende zu einem Verein zusammen und vereinbarten, keinem Kunden mehr Kredit zu gewähren, der einem der Vereinsmitglieder die Rechnung schuldig geblieben war.

Ab 1928 begann der Verein auch andere Unternehmen durch Angaben zum Jahresumsatz, zu Bilanzkennzahlen oder zur Kapitalausstattung potentieller Geschäftspartner zu unterstützen. Mittlerweile bietet das Unternehmen seinen Kunden einen umfassenden Leistungskatalog, der auch Factoring und Forderungsmanagement umfasst.

Ein weiterer Branchenriese ist die infoscore Consumer Data GmbH aus dem Hause arvato Bertelsmann. arvato Financial Solutions steht, nach Auffassung des Unternehmens, für professionelle Outsourcing-Dienstleistungen rund um den Zahlungsfluss. Und dies in allen Phasen des Kundenlebenszyklus. Vom Risikomanagement über die Rechnungsstellung bis zum Debitorenmanagement oder den Verkauf von Forderungen. Das Unternehmen betreut fast 10.000 Kunden und hat sich dabei auf den Handel und den E-Commerce Sektor spezialisiert.

Die IHD – Gesellschaft für Kredit- und Forderungsmanagement mbH aus Frechen wirbt damit, die Rechte und Vermögensinteressen ihrer Kunden wirksam durchzusetzen und dies weltweit. Das IHD Forderungsmanagement entlastet das Mahnwesen und setzt so innerbetriebliche Ressourcen frei. Das Unternehmen bietet ihren Kunden außerdem ein umfassendes Monitoring an. Durch eine automatisierte Debitoren-Überwachung sollen Risiken frühzeitig erkannt und effektiv gesteuert werden.

Auskunfteien Bürgel, Bisnode und Dun & Bradstreet (D&B)

Hamburg ist heute der Sitz der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG. Martin Bürgel gründete die Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin. Das vormals mittelständische Unternehmen verfügt über 130 Jahre Erfahrung und gehört nunmehr der Euler Hermes Aktiengesellschaft (Allianz Group) und der EOS Holding GmbH. Bürgel unterhält Niederlassungen in ganz Deutschland und kooperiert mit Partnerunternehmen weltweit. Das Unternehmen bietet alle klassischen Leistungen einer Auskunftei, also Wirtschafts- und Bonitätsinformationen, Forderungsmanagement, Adressmanagement und Adressermittlung, aus einer Hand und betreut etwa 80.000 Kunden weltweit.

Eine weitere Branchengröße und einer der führenden Anbieter für digitale Wirtschaftsinformationen in Europa ist Bisnode. Für die Gruppe arbeiten 2.600 Beschäftigte in 17 europäischen Ländern. Die Bisnode Deutschland GmbH beschäftigt 450 Mitarbeiter, die ihren Kunden auch mit dem Know-how und dem Service von Dun & Bradstreet Deutschland und Hoppenstedt, zweier weiter Informationsdienstleister, zur Seite stehen.

Gemeinsam haben diese Unternehmen 260 Jahre Erfahrung mit der Generierung von Wirtschaftsinformationen und verfügen über Daten zu gut 5 Millionen deutschen und rund 97 Millionen europäischen Unternehmen. Die in Darmstadt ansässige Gesellschaft hat zwei Tochterunternehmen, die sich auf Datenerfassung und Redaktion sowie IT-Services spezialisiert haben.

Dun & Bradstreet (D&B), der Kooperationspartner von Bisnode, ist die größte Wirtschaftsauskunftei der Welt mit Sitz im US-amerikanischen Short Hills, New Jersey. Der Konzern ist global aktiv und unterhält Tochtergesellschaften in 40 Ländern. D&B ist finanziell sehr erfolgreich und erwirtschaftet mit 4.600 Beschäftigten rund 4,5 Milliarden Dollar Umsatz. Zu den Hauptgeschäftsfeldern gehört die Einschätzung von Länderrisiken, die Beurteilung von Geschäftsrisiken, die Gewinnung potentieller Neukunden sowie die Schaffung von Transparenz im strategischen Einkauf.

D&B bietet Firmen die Möglichkeit global Unternehmensdaten und Bewertungen zu ihren Kunden, Lieferanten oder sonstigen Geschäftspartnern über die D&B-Datenbank abzurufen. Nach Auskunft des Unternehmens verfügt es über Informationen zu mehr als 170 Millionen Firmen in über 200 Ländern, darunter etwa 4,5 Millionen Betriebe aus Deutschland.

Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungssektor, die das Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten, kurz Geldwäschegesetz, beachten müssen, greifen gerne auf die Dienste von D&B zurück. Gleiches gilt für exportorientierte Güterhersteller, die Zollerleichterungen in Anspruch nehmen wollen. D&B bietet dieser Kundengruppe den automatisierten Abgleich ihrer Handelspartner mit den sogenannten „Terrorlisten“ der Europäischen Union und der USA an.