Zinsen und Zinsarten – ein fundierter Überblick

Geldgeschäfte und Zinsen sind fast so alt wie die Menschheit selbst, denn bereits im alten Mesopotamien herrschten schriftliche Regelungen von Höchstzinssätzen für verschiedenste Kredite. Und auch heute finden Zinsen vorwiegend bei Geldgeschäften Anwendung. Der Begriff bezeichnet das Entgelt, welches anfällt, wenn Kapital oder Sachen für einen gewissen Zeitraum ausgeliehen werden.

Im Gegensatz zu früher gibt es heutzutage die unterschiedlichsten Zinsarten, die auf verschiedenen Berechnungsfaktoren beruhen. Doch was sind Zinsen eigentlich genau? Und wozu werden sie gebraucht? Und welche Faktoren spielen beim Zinsen-Berechnen eine Rolle?

Was sind Zinsen?


Zinsen für KreditLaut einschlägigen Einträgen in Wirtschafts- und Finanzlexika definieren sich Zinsen als Entgelt für das Ausleihen von Kapital oder Gütern über einen festgelegten Zeitraum.

Wer zum Beispiel einer anderen Person Geld borgt, verzichtet zunächst einmal darauf, es für sich selbst auszugeben.

Als Gegenleistung für den Gefallen erhalten Sie als Kreditgeber dafür Zinsen von dem Schuldner. Auf den Punkt gebracht: Zinsen für einen Kredit sind nichts anderes als Mietkosten für Geld.

Wird von Zins gesprochen, so sind nicht die konkreten Zinskosten gemeint, sondern der Zinssatz bzw. Zinsfuß, der immer in Prozent angegeben wird. Dieser Prozentsatz wird über ein gewisses Zeitintervall berechnet.

Manche Finanzierungsformen wie zum Beispiel eine Baufinanzierung werden mit einer Zinsbindung abgeschlossen. Das bedeutet, er Zinsfuß wird im Kreditvertrag langfristig – meist über mehrere Jahre – verbindlich festgelegt. Das ist ein Vorteil für den Kreditnehmer, der dadurch Planungssicherheit gewinnt.

Zinsen und ihre historischen Grundlagen


Seitdem Menschen Eigentum für sich beanspruchen, gibt es Zinsen. Bereits vor 2500 Jahren wurden Zinsen erhoben, waren allerdings auch stark in Verruf. So soll sich bereits der berühmte griechische Philosoph Aristoteles über Zinsen empört und sie als „gegen die Natur“ bezeichnet haben. Der Begriff Zins stammt übrigens vom lateinischen Wort census, zu Deutsch Schätzung, Abgabe oder Steuer.

Am schlechten Image der Zinsen konnte auch die Zeit nichts ändern, denn einige Jahrhunderte später verurteilte Martin Luther alle Zinsnehmer als Diebe, Räuber und Mörder.

Wahrscheinlich stieß der Zins damals auf so große Ablehnung, weil Kredite damals keine wirtschaftlichen Anlagen waren, sondern lediglich in Notzeiten zur finanziellen Überbrückung gedacht waren. Abhilfe kam erst im 17. Jahrhundert auf: die Wirtschaft war im Aufschwung begriffen und benötigte dafür monetäre Hilfsmittel.

Das notwendige Kapital wurde von den Handelsleuten gezahlt. Auf diese Weise entstand langsam ein internationaler Kreditmarkt, bei dem auch der Zins Einzug in alle Volkswirtschaften fand. Eine Sonderrolle nehmen in diesem Kontext die sogenannten Islambanken ein. Sie wirtschaften nach muslimischen Normen und erheben keine Zinsen.

Verschiedene Zinsarten und Bedeutung


Mittlerweile haben sich viele unterschiedliche Zinsarten im Finanzwesen ausgebildet. Einen Überblick, wann welcher Zins greift, soll Ihnen die folgende Auflistung geben.

1. Der Leitzins


So wird der Zinssatz bezeichnet, den die zuständige Zentralbank für Geschäfte mit angeschlossenen Banken verwendet. Aus diesem Grund richtet sich auch der Zinsfuß, den Banken von Kunden verlangen, am Leitzins. Dieser wird von den jeweiligen Notenbanken wie zum Beispiel der Europäischen Zentralbank bestimmt, um so die Geldwirtschaft von Staaten und Währungsunionen (Bsp. EU) zu regulieren.

Durch den Leitzins ist die EZB in der Lage, Kreditaufnahmen von Volkswirtschaften zu fördern oder zu hemmen. Ist die Wirtschaft eines Landes im Absinken begriffen, wird der Leitzins herabgesetzt. Das hat zur Folge, dass für Banken, Unternehmen und Verbraucher die Kredite günstiger und attraktiver werden, was sich letztendlich förderlich auf Investitionen und Konsum auswirkt. Ein niedriger Leitzins wird also dazu genutzt, die gesamtwirtschaftliche Situation in Schwung zu bringen.

Solche Niedrigzinsphasen wirken zwar verlockend, Verbraucher sollten jedoch nicht überstürzt handeln. Denn Kredite lassen sich dann zwar günstiger aufnehmen – allerdings werden gleichzeitig auch die Habenzinsen weniger. Das heißt, Geldanlagen und diverse Versicherungsprodukte verlieren an Wert.

2. Der Nominalzins und der Realzins


Als Nominalzins wird der Zinssatz beschrieben, der bei einem Geschäft anfällt. Handelt es sich um eine Kreditaufnahme, kommt häufig der Begriff Kreditzins zum Einsatz. Auch beim Realzins handelt es sich um einen Nominalzins, dieser ist jedoch um die zu erwartende Inflationsrate korrigiert. Der Realzins gibt als den preisbereinigten Ertrag einer Anlage an. Probleme bereitet allerdings immer die konkrete Festlegung der Inflationsrate.

3. Der Negativzins


Diese Zinsart ist auch als Strafzins bekannt. Sie sind oft die Folge langer Niedrigzinsphasen mit negativen Einlagezinsen. Zum Beispiel müssen Banken einen Negativzins begleichen, wenn sie Gelder, die momentan nicht gebraucht werden, bei der Notenbank zwischenlagern. In einigen Fällen werden die Negativzinsen dann an die Anleger weitergeleitet, in der Regel betrifft das aber nur äußerst hohe Einlagen von Geschäftskunden. Diese erhalten dann keine Zinsen vom Kreditinstitut, sondern müssen für ihre Einlagen Zinsen bezahlen.

4. Der Sollzins


Zinsen ausrechnenHierbei handelt es sich um den Zins, der auf die konkrete Darlehenssumme berechnet wird. Meist wissen Verbraucher jedoch nicht zwischen Sollzins und effektiven Jahreszins zu unterscheiden. Am besten lässt sich das Ganze mit Netto und Brutto vergleichen:

Sollzinsen können dem Nettopreis eines Kredits gleichgesetzt werden. Das sind also die Zinskosten, welche der Kreditnehmer an die Bank zahlen muss. Der Bruttopreis mitsamt zusätzlichen Gebühren entspricht dann dem Effektivzins.

5. Der effektive Jahreszins


Effektivzinsen finden sich oft im Rahmen von Darlehensangeboten. Der Effektivzins wird jährlich berechnet, daher auch der Begriff effektiver Jahreszins. Er beschreibt damit die gesamten jährlichen Kreditkosten: Den außer dem Sollzins sind oft noch weitere Zusatzgebühren zu begleichen. So erheben manche Banken zusätzliche Gebühren, wenn der anfängliche Tilgungssatz höher ist. Früher verlangten viele Kreditinstitute Bearbeitungsgebühren, dies ist allerdings seit 2014 nicht mehr erlaubt. Die Berechnung des effektiven Jahreszins wird von der EU-Verbraucherrichtlinie vorgegeben.

6. Der Überziehungszins


Sehr hoch fallen Überziehungszinsen aus. Genau genommen sind das Sollzinsen, die bei einer Überziehung des Kontos automatisch erhoben werden. Ausschlaggebend für die Zinsberechnung ist hier nur der Minusbetrag, also die konkrete Überziehungssumme.

7. Der Zinseszins


Der Name sagt es eigentlich schon, erhobene Zinsen werden zum nächsten Intervall wieder mitverzinst. Bei Anlagen ein sehr erfreulicher Effekt, denn die Summe wächst somit nicht linear, sondern exponentiell an.

8. Zinsen auf Sachkapital


Ebenso wie Kapitalzinsen, können auch Sachwerte verzinst werden. Das gängigste Beispiel ist die Immobilien-Vermietung: Die Miete für Büros, Wohnungen oder Grundstücke kann auch als Zins betitelt werden. In diesem Fall spricht man dann von Mietzins.

9. Geldmarktzins


Kurzfristige Anlagegeschäfte enthalten oftmals einen Geldmarktzins, das ist zum Beispiel bei Tagesgeld der Fall. Zu den gängigsten Referenzzinssätzen für den Geldmarktzins zählt der EURIBOR.

Zinsen berechnen – die Zinseszins - und einfache Zinsrechnung für Zinskosten


Auf der Basis der Prozentrechnung werden Zinsen berechnet. Grundsätzlich muss dabei zwischen einfacher Zinsrechnung und Zinseszinsrechnung differenziert werden. Einer der wichtigsten Faktoren für die Kalkulation ist dabei die Laufzeit des Kredits bzw. der Anlage.

Zum Beispiel können einmalig oder über einen ganzen Zeitraum die Zinsen berechnet werden. Gängig ist es, dass Zinsen lediglich einmal im Jahr, nämlich zum Jahresende hin erhoben werden. Eine dekursive Zinsrechnung berechnet die anfallenden Zinsen vor der eigentlichen Zinsperiode. Eine dekursive Zinsrechnung liegt vor, wen dies nach der Zinsperiode geschieht.

Im Normalfall benötigt man 3 Variablen, um Zinsen zu berechnen:


  • Kapital (K)
  • Zinssatz (p)
  • Zinsen (Z)

Mit der Formel Z = K x p ÷ 100 lässt sich dann ausrechnen, wie hoch die Zinskosten für den ausgeliehenen Kreditbetrag sind. Je nachdem welche Finanzierung Sie wählen, stehen auch verschiedene Zinsrechner online zur Verfügung.