Ökobanken: Was unterscheidet eine Ökobank von einer herkömmlichen Bank?

Wald mit Bäumen: Ökobanken stehen für nachhaltiges Wirtschaften für eine gesunde Umwelt
Ökobanken stehen für eine ökologische, nachhaltige und soziale Geschäftspolitik!

In Deutschland gibt es etwa 2.000 Banken. Eine Minderheit von ihnen, die aber immer mehr in das Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit rückt, sind Ökobanken. Bei ihren Geldgeschäften dreht sich alles um ökologische, nachhaltige und soziale Projekte. Bedenkliche Branchen wie die Atom- oder die Rüstungsindustrie werden gemieden.

Die Merkmale einer Ökobank

Der Begriff „Ökobank“ hat keine feste Definition und es gibt weder etablierte Siegel, noch offizielle Branchenregeln dafür, welche Kriterien eine Bank erfüllen muss, um als Ökobank zu gelten. Dieser allgemeine Begriff hat sich aus dem Eigennamen der ersten, 1988 gegründeten „Ökobank“ herausgebildet, die später von der GLS Gemeinschaftsbank eG übernommen worden ist. Ihre Funktionsweise und Art der Geldinvestition war Vorbild weiterer ökologisch-sozial orientierter Banken, sodass es heute einen allgemein anerkannten Konsens darüber gibt, was eine „grüne Bank“ darf und soll und was nicht.

  • Ökobanken oder grüne Banken bieten ihren Kunden typische Finanzdienstleistungen, die von konventionellen Banken bekannt sind, wie Girokonten, Tagesgeld-Konten, Geldanlagemöglichkeiten, Altersvorsorge-Produkte und Kredite.
  • Geldinvestitionen werden nur in ökologisch und sozial nachhaltige Projekte getätigt, die strengen Nachhaltigkeitskriterien unterliegen müssen.
  • Grüne Banken sollten ein hohes Maß an Transparenz bieten und ihre Kunden genau über die Verwendung ihres Geldes aufklären. In der Regel können Sie auf den Webseiten der Banken Informationen über die Projekte erhalten, in welche sie das Geld investieren und in Wirkungsbelegen nachlesen, was die Investitionen Positives bewirkt haben.
  • Ökobanken dürfen keine Tochterbanken von konventionellen Banken sein.
  • Wichtig ist auch die interne Nachhaltigkeit, also die Verwendung von Ökostrom in Firmengebäuden und ähnliches.

In welche Branchen investieren grüne Banken häufig?

Ökobanken unterstützen mit dem Geld ihrer Kunden bewusst Branchen und Institutionen, die sozial gerecht und/oder zukunftsorientiert sind, zum Beispiel:

  • Erneuerbare Energien, zum Beispiel Wind- und Wasserkraftwerke
  • Biolandwirtschaft
  • Ökobaubranche
  • Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen
  • Nachhaltige Forstwirtschaft

Letztendlich ist es aber individuell von der Bank abhängig, in wie viele und in welche Branchen sie investiert. Wenn Ihnen persönlich eine oder mehrere Branchen besonders am Herzen liegen, sollten Sie, bevor Sie sich für eine Ökobank entscheiden, die Investitionskriterien der Bank gründlich studieren, damit Sie wirklich hinter Ihrer Bank und deren Investitionen stehen können.

Welche Branchen werden von Ökobanken gemieden?

In den 1980er Jahren, im Zuge des Wettrüstens im Kalten Krieg, boomte die Rüstungsindustrie und ebenso stieg die Angst vieler Menschen vor einem Atomkrieg. Inmitten der großen Friedensbewegungen, die sich deshalb gebildet hatten, stieß die Idee von einer Bank, die mit dem Geld ihrer Anleger explizit nicht die Rüstungsindustrie unterstützt, auf viel Zuspruch. Und so fand die 1988 gegründete Ökobank viele Unterstützer. Noch heute gehört die Rüstungsindustrie zu den Tabus für die umweltfreundlichen und sozialverträglichen Ökobanken. Weitere Branchen, Prinzipien und Industrien, die grüne Banken bewusst meiden, sind:

  • Kernenergie
  • Pelzindustrie
  • Tabakindustrie
  • Verschiedene Suchtmittelindustrien
  • Kinderarbeit
  • Die Verletzung von Menschenrechten
  • Pornografie
  • Embryonenforschung
  • Nahrungsmittelspekulation
  • Tierversuche
  • Industrielle Tierhaltung
  • Glücksspiel
  • Gentechnik

Ökobanken haben in der Regel schlechtere Konditionen als konventionelle Banken

Der Nachteil von grünen Banken ist, dass ihre Konditionen meist nicht die besten sind. Es gibt immer konventionelle Banken, die den Kunden attraktivere Bedingungen bieten.

  • Die Sparzinsen liegen meist eher im Mittelfeld
  • Ein persönlicher Kontakt zum Bankberater ist kaum möglich, da die meisten Ökobanken Direktbanken sind, die nur über das Internet agieren. Der Kontakt findet per E-Mail und Telefon statt.
  • Manche Ökobanken bieten kein Girokonto an und diejenigen, die eines im Angebot haben, verlangen immer eine Monatsgebühr dafür.
  • Die Kredit- und Debitkarten sind bei grünen Banken oft kostenpflichtig.

Was ist an den Investitionen von konventionellen Banken bedenklich?

Bei konventionellen Banken steht meistens leider eines absolut und kompromisslos im Vordergrund: Profit. Die Investition muss sich rentieren. In der Regel gibt es inhaltlich kaum bis wenig Einschränkungen, wenn es darum geht, welche Projekte oder Unternehmen unterstützt werden, und bei unethischen Praktiken wird meist nicht so genau hingeschaut.

Zum Beispiel fließen auch heute noch Milliarden aus deutschen konventionellen Banken in die Rüstungsindustrie, ebenso wie in die Kohle- und Atomindustrie, womit die dringend benötigte Energiewende abgebremst wird.

Außerdem beteiligen sich große deutsche Banken bekanntermaßen an Lebensmittelspekulationen. Dabei werden Wetten darauf abgeschlossen, dass der Preis für Nahrungsmittelrohstoffe steigt – und das alleine kann schon als unmoralisch erachtet werden, da das, worauf die Banken spekulieren, für viele Menschen eine Bedrohung ihrer Existenz darstellt.

Weil es kein Geheimnis ist, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für all diese und viele andere Branchen nicht gerade hoch ist, halten sich Banken selbst mit Informationen zu ihren Investitionen bedeckt und es ist für den Bankkunden kaum möglich, zu erfahren, was genau mit ihrem Geld unterstützt wird.

Fazit: Ökobanken reagieren auf den Wunsch der Menschen nach ökologischer und sozialer Gerechtigkeit

Versuchen Menschen, einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Wohlstandsgesellschaft zu werfen, sehen sie meist Dinge, die ihnen nicht gefallen, die unfair sind und Leid verursachen – angefangen von der verschwenderischen Lebensmittelproduktion über die ausbeuterische Kleidungsherstellung im Ausland bis hin zu Tierversuchen für Medikamente oder Drogerieartikel.

Auch hinter den Kulissen von Banken spielen Gerechtigkeit, Umwelt und Ethik nur selten eine Rolle, und damit der Kunde nicht erfährt, wofür sein Geld verwendet wird, bleiben die Investitionen der Banken oft intransparent. Doch der Wunsch nach mehr ökologischer und sozialer Gerechtigkeit auf der Welt nimmt zu und damit auch der Wunsch, über die Hintergründe unserer gesellschaftlichen Instrumente und Institutionen Bescheid zu wissen.

Ökobanken reagieren auf diesen Wunsch. Sie legen offen dar, wofür sie das Geld ihrer Kunden verwenden und suchen bewusst faire und/oder umweltfreundliche Projekte und Unternehmen für ihre Investitionen. Für das gute Gefühl, ihr Geld an der richtigen Stelle zu wissen, nehmen die Kunden von Ökobanken niedrigere Zinsen und höhere Konditionen in Kauf. Ob Ökobanken die Zukunft des Bankenwesens darstellen, wird sich zeigen.