Schulden – Folgen und Auswegmöglichkeiten aus der Schuldenfalle

Immer mehr Menschen haben Schulden – das belegen Statistiken eindeutig. Schulden können zu einer echten Belastung werden und das Leben richtig schwer machen. Die Ursachen und Gründe für eine Verschuldung sind hierbei ganz unterschiedlich: Krankheit, Scheidungen, Trennungen oder Arbeitslosigkeit können Menschen in verzweifelte Situationen und in die Schuldenfalle führen.

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Schulden: der Weg in den Ruin

In nicht seltenen Fällen ist auch das eigene Fehlverhalten die Ursache für eine Überschuldung: Die einzelnen Unternehmen und Versandhäuser locken mit vielfältigen Angeboten sowie mit der Option eines späteren Rechnungsausgleichs oder einer Ratenzahlung. Wenn die Ausgaben die eigenen Einnahmen jedoch deutlich übersteigen, sind Schulden nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn Schulden entstanden sind, ist in erster Linie ein planvolles Vorgehen wichtig. Die Schuldnerberatung steht verschuldeten Personen hierbei kompetent mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen dem Schuldner dabei, einen Überblick über die gesamte Finanzsituation zu bekommen und stellen einen Plan auf, um die entstandenen Verbindlichkeiten Schritt für Schritt zu tilgen. Wir zeigen Ihnen hier, was Schulden eigentlich sind, welche Konsequenzen sie haben und welche Auswegmöglichkeiten es aus der Schuldenfalle gibt.

Schulden: Weiterführende Informationen

Was sind Schulden – eine Begriffsdefinition

Verbindlichkeiten gegenüber Dritten werden als Schulden bezeichnet. Sobald eine Person Rückzahlungsverpflichtungen an einen Gläubiger hat, bestehen Schulden. Schulden müssen jedoch nicht immer durch Schicksalsschläge oder Eigenverschulden entstehen: Ebenso ist es auch möglich, die Schulden anderer Personen zu erben.

Des Weiteren kann es in manchen Fällen notwendig sein, erst Schulden zu produzieren, um später bestimmte Eigenvorteile genießen zu können: In den seltensten Fällen reicht das eigene Privatvermögen zum Erwerb eines Eigenheims aus. Oftmals ist erst ein Kredit notwendig, um die Immobilie kaufen zu können. Das Haus oder die Wohnung wird so über Jahre hinweg abbezahlt und erst nach Ablauf dieser Tilgungsperiode besteht wieder eine Schuldenfreiheit.

Auch wer ein eigenes Unternehmen gründen möchte, muss oftmals einen Gründungskredit in Anspruch nehmen, um bestimmte Investitionen vor Betriebsbeginn leisten zu können.

Schulden – auf einen Blick:

  • Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber Dritten werden als Schulden bezeichnet
  • Schulden sind grundsätzlich nicht besorgniserregend, solange es nicht zu einer Überschuldung kommt.
  • Ist eine Person überschuldet, gelingt es ihr nicht mehr, die entstandenen Verbindlichkeiten mit dem eigenen Privatvermögen und den persönlichen Einnahmen zu tilgen.
  • Wenn sich Schulden immer mehr häufen und eine Person zahlungsunfähig wird, muss eine Schuldenregulierung mit den einzelnen Gläubigern vereinbart werden.

Überschuldung und Verschuldung – was ist der Unterschied?

Wenn sich Schulden auf einen bestimmten Betrag summieren und mehrere Kreditverbindlichkeiten zusammenkommen, die das eigene Monatsgehalt nicht mehr auffängt, die jedoch von den Vermögens- und Wertgegenständen der betreffenden Person abgedeckt werden – spricht der Finanzexperte von einer Verschuldung.

Ein charakteristisches Beispiel hierfür ist ein Immobilienkredit: Der Gesamtkreditbetrag übersteigt das eigene Monatseinkommen, doch die Monatsraten können vom Kreditnehmer problemlos getragen werden und der Kredit kann im Notfall auch durch den Wert der Immobilie abgelöst werden.

Bei einer Verschuldung können Zahlungsverpflichtungen monatlich ordnungsgemäß zurückgezahlt werden. Die Finanzierung der eigenen Lebenshaltungskosten ist in diesem Fall noch nicht gefährdet.

Wenn den eigenen Zahlungsverbindlichkeiten mindestens drei Monate lang nicht nachgekommen werden kann, ohne die grundlegenden Lebenshaltungskosten wie Miete oder Strom zu gefährden, liegt eine Überschuldung vor. Wenn sich keine zusätzliche Einnahmequelle auftut, muss dringend eine Schuldnerberatung aufgesucht werden, um eine konkrete Vorgehensweise für den Schuldenabbau zu erarbeiten.

Eine Überschuldung ist häufig ein schleichender Prozess und in vielen Fällen mit einem schweren Lebenseinschnitt oder Schicksalsschlägen verbunden. Eine Scheidung kann beispielsweise dazu führen, dass die gemeinsame Wohnung von einem Partner alleine nicht mehr bezahlt werden kann. Wenn eine Überschuldung vorliegt, können die monatlichen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr ordnungsgemäß getilgt werden.

Das Statistische Bundesamt nennt folgende Überschuldungsgründe:

  • Scheidung und Trennung
  • Tod des (Ehe-)Partners
  • Arbeitslosigkeit
  • unwirtschaftliche Haushaltsführung
  • gescheiterte Selbstständigkeit
  • Krankheiten
  • Unfälle
  • Suchterkrankungen
  • längerfristiges niedriges Monatseinkommen.

Bevor es überhaupt zur Überschuldung kommt, ist es wichtig schnell zu reagieren und Maßnahmen zur Schuldenregulierung einzuleiten. Wenn bereits Mahn- und Vollstreckungsverfahren in vollem Gange sind, kann die Situation immer komplizierter werden.

Schulden und ihre Konsequenzen – mit diesen Folgen muss gerechnet werden

Schulden können sehr unangenehme Konsequenzen für den Schuldner nach sich ziehen. Hier die möglichen Folgen auf einen Blick:

  • Längerfristig vorhandene hohe Verbindlichkeiten führen zu einer Überschuldung
  • Mahnschreiben mit zusätzlichen Mahngebühren
  • Schreiben von Inkassobüros: Dies ist mit weiteren hohen Kosten und Verzugszinsen verbunden.
  • Negativer Eintrag bei der SCHUFA und Minderung der eigenen Kreditwürdigkeit (Bonität)
  • Gerichtliches Mahnverfahren: Mahnbescheid
  • Vollstreckungsbescheid, insofern der Schuldner gegen den Mahnbescheid keinen Widerspruch einlegt.
  • Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Konto- und Lohnpfändungen
  • Verlust des eigenen Wohnraums bei gehäuften Mietschulden: Dies kann auch mit einer Räumungsklage verbunden sein.
  • Aufforderung zur Abgabe einer Eidesstaatlichen Versicherung (Vermögensauskunft).
  • Notwendigkeit, ein privates Insolvenzverfahren zu eröffnen.

Schulden können eine Bedrohung für die eigene Existenz sein: Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, schnell zu handeln und einen Schuldenregulierungsplan auszuarbeiten.




Schuldenfalle – was ist das eigentlich?

Es gibt Verbindlichkeiten und Zahlungsverpflichtungen, bei denen ein erhöhtes Risiko gegeben ist, dass sich Schulden anhäufen: In diesem Zusammenhang wird von der Schuldenfalle gesprochen. Unter die Schuldenfalle fallen vor allem langfristige Zahlungsverpflichtungen: Die wirtschaftliche und persönliche Situation des Schuldners kann sich schnell einmal ändern und infolgedessen kann es sein, dass bestimmten Zahlungen nicht mehr ordnungsgemäß geleistet werden können.

Eine große Schuldenfalle für Jugendliche sind teure Mobilfunkverträge. Hier ist meistens gar nicht der eigentliche Tarif das Problem, sondern die vielen attraktiven, jedoch deutlich überteuerten Zusatzoptionen sowie die Finanzierungsmöglichkeit sehr teurer Smartphones.

Eine weitere Schuldenfalle ist die Möglichkeit der Inanspruchnahme eines Dispokredites. Wer regelmäßig sein Konto überzieht, muss mit hohen Zinsen rechnen. Eine Finanzierung über eine Kontoüberziehung ist definitiv nicht zu empfehlen, da das nicht nur sehr teuer ist, sondern zudem die Gefahr besteht, aus dem roten Zahlen nicht mehr herauszukommen.

Des Weiteren sollten vorhandene Schulden nicht durch neue Schulden beglichen werden: Das bedeutet, dass ein Kredit nicht aufgenommen werden sollte, um vorhandene Verbindlichkeiten zu bezahlen. Das kann zu einer richtigen Schuldenfalle werden, denn durch neue Rückzahlungsverpflichtungen verschlimmert sich das Schuldenproblem nur noch mehr.

Die verschiedenen Schuldenarten

Grundsätzlich lassen sich Schulden in zwei verschiedene Kategorien einteilen:

1. Primärschulden:

Diese Verbindlichkeiten sind besonders wichtig und dringend, da sie existenzielle Lebensbereiche betreffen. Diese Schuldenart kann einen Menschen sowohl psychische, als auch physisch betreffen. Ein typisches Beispiel für Primärschulden sind Mietschulden. Wenn der Mietrückstand immer höher wird und die Verbindlichkeiten nicht beglichen werden können, kann dies im schlimmsten Fall sogar zur Obdachlosigkeit führen. Auch Steuerschulden und unbezahlte Krankenversicherungsbeiträge fallen unter diese Kategorie

2. Sekundärschulden:

Diese Schuldenarten gefährden die eigene Existenz nicht unmittelbar, denn sie beziehen sich nicht auf lebensnotwendige Bereiche.

Hierunter fallen beispielsweise folgende Schuldenarten:

  • Privatschulden
  • Konsumschulden
  • Studienschulden
  • GEZ-Schulden
  • Telekommunikationsschulden.

Auch wenn diese Schulden die Existenz nicht direkt betreffen, können sie schwerwiegende Konsequenzen haben. Daher ist es wichtig, dass sich auch Sekundärschulden nicht anhäufen.

Effektive Hilfe für den Schuldner – was ist zu tun bei Schulden?

Sobald der Zustand der Überschuldung eingetreten ist, muss Ordnung in die eigenen Finanzen gebracht werden:

  • Welche Schulden müssen am dringendsten beglichen werden? (Prioritätenverteilung).
  • Die einzelnen Gläubiger müssen kontaktiert werden, um eine Ratenzahlung, eine Stundung oder gar einen Schuldenerlass zu vereinbaren.
  • Es sollte dringend eine Schuldnerberatungsstelle aufgesucht werden.

Die Mitarbeiter sind Experten auf dem Fachgebiet der Schuldenregulierung und wissen, was im Einzelfall zu tun ist. Das Ziel ist es, wieder zahlungsfähig zu werden und eine schuldenfreie Zukunft zu haben.

Die Schuldnerberatungsstelle hilft dem Schuldner zudem dabei, künftig nicht wieder in die Schuldenfalle zu tappen und den Überblick über die eigenen Finanzen zu bewahren. Schuldnerberatung gibt es in den Städten vor Ort oder online: Diese können auch anonym in Anspruch genommen werden.

Schulden vermeiden – auf einen Blick:

  1. Gläubiger über die Zahlungsunfähigkeit informieren, bevor ein Inkassobüro eingeschaltet wird.
  2. Keine weiteren Schulden machen.
  3. Miete und Strom immer sofort und zuerst bezahlen.
  4. Kontaktierung einer Schuldnerberatungsstelle für eine außergerichtliche Einigung.

Verjährung von Schulden

Nach Regelung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verjähren Schulden in der Regel nach einer Frist von drei Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt mit dem 31. Dezember des Jahres, in dem der Forderungsanspruch entstanden ist. Drei Jahre nach Entstehung der Schulden, am 31. Dezember, tritt also die Verjährung ein. Anders ist es, wenn bereits ein Vollstreckungsbescheid vorliegt: Da dies ein rechtskräftiger Titel ist, verjährt dieser gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch erst nach 30 Jahren.

Schuldenfrei – Tipps für eine Zukunft ohne Schulden

Es ist sehr wichtig, den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten, um gar nicht erst in eine Überschuldung zu kommen. Hierfür einige Tipps:

Haushaltsbuch führen:
Da ist eine sehr hilfreiche Methode, um die eigenen Ausgaben und Einnahmen im Blick zu behalten. Haushaltsbücher finden sich in jedem Schreibwarengeschäft und im digitalen Zeitalter sogar als App für das Smartphone.

Kosten und Ausgaben senken:
Wer den Überblick über seine gesamten Finanzen hat, findet auch Sparmöglichkeiten. Vor einem Kauf sollte daher immer geprüft werden, ob das ein oder andere Bekleidungsstück wirklich notwendig ist. Neben Neuanschaffungen sollten auch die KFZ-Versicherung und der Stromanbieter geprüft werden. Nicht selten ergibt sich ein günstigeres Angebot.

Die persönlichen Einnahmen erhöhen:
Wer nur eine Teilzeitstelle hat, kann beispielsweise den Arbeitgeber um eine Aufstockung der Arbeitszeit fragen. Wer in Vollzeit arbeitet, kann zusätzlich einen kleinen Nebenjob ausüben. In diesem Zusammenhang sollten auch mögliche Ansprüche wie Wohngeld oder BAföG geprüft werden.

Kreditkarten vermeiden:
Kreditkarten sind sehr verlockend, bergen jedoch ein sehr hohes Risiko. Mit einer Kreditkarte kann es leicht geschehen, dass mehr Geld ausgegeben wird, als monatlich eigentlich zur Verfügung steht. Wer immer nur mit der Karte bezahlt, neigt eher dazu den Überblick über die eigene Finanzsituation zu verlieren. Achtung: Für die Begleichung der Kreditkartenschulden können Bankinstitut häufige sehr hohe Zinsen in Rechnung stellen!

Vorsicht bei Ratenkäufen:
Kleine, überschaubare Monatsraten können schnell vom tatsächlichen Kaufpreis ablenken. Hier ist die Gefahr recht hoch, über die monatlichen Zahlungsverpflichtungen in eine Überschuldung zu rutschen.

Dispositionskredit nur im Notfall in Anspruch nehmen:
Das Girokonto sollte nur im äußersten Notfall überzogen werden. Wer längere Zeit nicht aus den roten Zahlen kommt, sollte darüber nachdenken, mit einem günstigen Privatkredit umzuschulen.

Vorsicht beim Kreditabschluss:
Sehr viele Kreditinstitute und Banken locken mit günstigen Konsumentenkrediten. In diesem Zusammenhang müssen immer die gesamten Kosten, die für einen Kredit anfallen, berücksichtigt werden. Am besten vorab die Kosten gut durchrechnen, das Kleingedruckte lesen und mit den Angeboten anderer Kreditanbieter vergleichen.

Kaufrausch vermeiden:
Besonders beim Onlineshopping sollte das monatliche Limit nicht aus dem Blick verloren werden. Ein Tipp: Am besten ist es, mit Bargeld zu bezahlen. So wird tatsächlich nur das ausgegeben, was man auch wirklich ausgeben will. Vermeiden Sie zudem Frustkäufe. Es lassen sich so viele schöne Dinge unternehmen, die kaum Geld kosten.